Sorben

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Die Sorben in der Oberlausitz

„Ein Wunder, dass wir da sind. Das ist nur der Name für die unerkannte Kraft, die unser Volk über die Jahrhunderte hinweg am Leben erhielt, eine Kraft die das Volk selbst schuf und von der es lebte.“ Mit diesen Worten umschrieb der bedeutende sorbische Schriftsteller Jurij Brězan treffend die Existenz und den Überlebenswillen des kleinen westslawischen Volkes. Gegen Ende der Völkerwanderung verließen germanische Stämme den Raum östlich von Elbe und Saale. Ab etwa 600 rückten vom Osten her Slawen nach, die aus ihrer Urheimat –nördlich der Karpaten, vermutlich zwischen Weichsel und Dnjepr – aufgebrochen waren. Da sich ihr Herkunftsgebiet bis heute nicht eindeutig lokalisieren lässt, wird die ursprünglich slawische Gemeinschaft am ehesten in einer – von den Linguisten rekonstruierten – urslawischen Sprache sichtbar. Die Sippenverbände wanderten in verschiedene Richtungen, nach Osten, Süden und Westen. Etwa 20 Stämme, welche die sorbische Gruppe bildeten, siedelten sich zwischen Oder/Bober/Queis im Osten und dem Maingebiet an. Der gemeinsame Eigenname dieser Stämme war Sorb / Sarb / Serb, hergeleitet von „srěbać“ (schlürfen). Im Zuge der deutschen Ostkolonisation im 12./13. Jhd. wurden die am weitesten westlich gelegenen Gebiete rasch germanisiert, von der einstigen Existenz slawischer Siedler zeugen heute nur noch die Ortsnamen in der sog. Germania Slavica, die bis nach Bamberg und Bayreuth reichen. Ihre Sprache, Kultur und Tradition bewahren konnten allein die Sorben in beiden Lausitzen. Die Niedersorben, Nachkommen der einstigen Lusizer, brachten den Namen „Lausitz“ (= sumpfiges Land) mit. Ab dem 15. Jahrhundert wurde der Name auch für das Siedlungsgebiet der Obersorben benutzt (bis dahin Land Budissin bzw. Land Görlitz), die als Nachkommen der Milzener gelten. Die unterschiedlichen Sprachen – Ober- und Niedersorbisch – erklären sich durch die abweichenden Zuwanderungswege der beiden großen Stämme.

Die Sorben in Bautzen

„Die sorbischen Bewohner der Oberlausitz nennen Bautzen seit jeher „Město - Stadt”. Die alte sorbisch-wendische Bezeichnung Budyšin - von ihr ist der deutsche Name Bautzen abgeleitet - wurde von dem Bischof Thietmar von Merseburg im Jahre 1002 in der Form BUDUSIN zum ersten Mal erwähnt. Der Sinn des Stammwortes BUD hat sich, wenn auch nicht im Sorbischen, so doch in benachbarten slawischen Sprachen als “Bau”, “Gebautes” erhalten. Noch bevor man Bautzen (Budyšin) erreicht, sind weit im Umland die Türme der Stadt zu sehen. Sie strecken ihre Turmspitzen wie ausgestreckte Finger gen Himmel, als wollten sie die Besucher anlocken, um auf die wechselvolle Geschichte der Türme-Stadt© aufmerksam zu machen. Gelegen an der Via Regia der wichtigen Verkehrsverbindung zwischen Schlesien und dem Rhein, erlebte die vor über 1000 Jahren erstmals erwähnte Stadt die böhmische Herrschaft, die sächsische Herrschaft, die Zeit des Nationalsozialismus und den Sozialismus. Geprägt waren die Zeiten durch Stadtbrände, die Belagerung durch die Hussiten, die Armeen Wallensteins, Sachsens und Schwedens, der Schlacht bei Bautzen während der Zeit der Befreiungskriege und letztendlich auch den Zweiten Weltkrieg. Durch den Fleiß der Bewohner wurden in der jeweiligen Epoche die Zerstörungen beseitigt und das Stadtgebiet erweitert. Stumme Zeitzeugen weisen in und um den noch heute geschlossenen inneren und äußeren Altstadtkern auf die wechselvolle Historie hin. Die Einzigartigkeit Bautzens besteht auch darin, dass sie das politische und kulturelle Zentrum der Sorben und damit mit der Geschichte des kleinsten westslawischen Volkes untrennbar verbunden ist. Für diese wollen wir sie mit unserer folgenden Präsentation sensibilisieren und begeistern. Bei einem Stadtrundgang wird diese Faszination erlebbar.

Sorbische Orte in Bautzen

Altes Sorbenhaus

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Gegenüber dem Kornmarktcenter am Lauengraben/Ecke Äußere Lauenstraße (auf der Brachfläche, die z.Zt. für Parkplätze genutzt wird) stand das von 1897 bis 1904 erbaute alte Wendische Haus (Sorbenhaus). Jan Arnošt Smoler, Mitbegründer des sorbischen Kultur- und Wissenschaftsvereins „Maćica Serbska”, kaufte 1873 das Grundstück, auf welchem dieses imposante Gebäude nach den Plänen des Dresdener Architekten Grothe mit Spendenmitteln errichtet wurde. Es fügte sich durch seine Formen der Frührenaissance in das historische Stadtbild ein. Am 26.09.1904 wurde das neue Zentrum des sorbischen kulturellen Lebens durch den Bischof Georg Wuschansky, zu diesem Zeitpunkt Vorsitzender der „Maćica Serbska”, eingeweiht. Es war Heimstätte für das Museum, die Bibliothek und das Archiv, den Turnverband Sokoł, die Sorbische Volksbank sowie die Schmalersche Buchhandlung und Druckerei. Ab dem Jahr 1912 wurde das Gebäude zum Sitz der Domowina. Die Domowina entstand aus den Aktivitäten der vielzähligen sorbischen Bauernvereine am Ende des 19. Jahrhunderts. Diese wurden vor allem mit dem Ziel einer wirksamen gegenseitigen Hilfe und Unterstützung und zur Bewahrung der sorbischen Sprache und Kultur gegründet. Ende 1888 wurde in Panschwitz der Zentrale Sorbische Bauernverein gegründet. Die Gründung haben der Bautzener Pfarrer, Kulturhistoriker und Redakteur Michael Hornig und der Nebelschützer Kaplan Gustav Kubasch vorbereitet. Den Vorsitz übernahm der aus Crostwitz stammende Großbauer und Landtagsabgeordnete Michael Kockel. Auf dem Vereinstreffen aller sorbischen Vereine am 10. Juli 1898 in Neschwitz schlug der Kleinbauer und Gastwirt Ernst Barth aus Briesing die Gründung eines Bundes aller sorbischen Vereine vor. Dies wurde freudig durch die Vertreter der Vereine aus Dresden, Bautzen, Hochkirch, Königswartha, Radibor und Ralbitz begrüßt. Der konservative Flügel der seit 1847 wirkenden wissenschaftlichen Gesellschaft „Maćica Serbska“ um den Bischof Georg Wuschansky – Vorsitzender von 1895 bis 1905 – verhinderte vorerst den Zusammenschluss. Der 1903 nach Kuckau zurückgekehrte Jakub Bart-Ćišinski mühte sich aktiv und aufopferungsvoll um die Festigung des sorbischen Nationalbewusstseins und weckte damit die sorbische Bewegung aus ihrer Ohnmacht. Zugleich hatten auch die politischen Entwicklungen in den slawischen Ländern, besonders in Polen, Tschechien und Russland einen großen Einfluss. Unter dem Druck der ersten Weltwirtschaftskrise und der Auswirkungen der Industrialisierung verschlechterten sich die Lebensbedingungen der sorbischen Bauern zusehends. Hinzu kam die antisorbische Schulpolitik des Bautzener Bezirksschulinspektors Bach, der 1908 sein Amt antrat. Darauf verstärkten sich die Aktivitäten der kulturellen und bäuerlichen Vereine, um ihrer nationalen Verantwortung gerecht zu werden. Am 13. Oktober 1912 versammelten sich die Delegierten aus 31 sorbischen Vereinen der Ober- und Niederlausitz, die mehr als 2800 Mitglieder vertraten, um den Bund sorbischer Vereine zu bilden. Sie verabschiedeten die vorläufige Satzung und wählten den vorläufigen Vorstand: Ernst Bart als Vorsitzenden; Franz Krahl (vorgeschlagener Generalsekretär); Jurij Delenk; Andreas Krone; Gotthold Schwele; Hajno Jordan; Fryco Rocha; Johann Wirth; Awgust Lapstich; Georg Melzer. Als Ziel setzten sie sich, die sorbischen Vereine zu unterstützen und die Liebe zur Heimat zu wecken und zu pflegen. Dies sollte zielgerichtet durch die Empfehlung lehrreicher Vorträge, der Vermittlung des Materials für Theater und Konzerte und der Beratung in wirtschaftlichen sowie rechtlichen Fragen erfolgen. Durch die Nationalsozialisten wurden 1937 die sorbischen Organisationen und Einrichtungen verboten und das Eigentum dieser verkauft oder vernichtet. Einigen mutigen Sorben gelang es, wenige Exponate des Museums zu retten. 1945 wurde das Gebäude zerstört.

Bautzener Stadttheater

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Heute erinnert nur noch die Theatergasse, die zum Kornmarktcenter führt daran, dass das Bautzener Stadttheater auf diesem Areal gestanden hat. Erbaut wurde das Stadttheater von 1795 bis 1796 von Johann Staude und nach Entwürfen des sächsischen theatralischen Hofmalers und Professors der Akademie der Künste Johann Benedikt Theil. Dazu wandelten sie eine ehemalige Bastion der inneren Stadtmauer zwischen Lauengraben und Kornmarkt um. Danach erfolgten verschiedene Umbauten. Die Oper „Die Zauberflöte″ gehörte zeitnah zum Repertoire, des nach Fertigstellung des Baus als Aktiengesellschaft gegründeten Theaters der Stadt Bautzen. In den Jahren von 1868 bis 1871 erfolgte der große Wiederaufbau des Theaters durch Mörbitz (ca. 700 Plätze). Nach dem Umbau von Staude und Benedikt 1905 bekam es den Charakter eines kleinen „Schlosstheaters“ mit ca. 655 Sitzen. Im selben Jahr wurde durch die Stadt Bautzen der Skulpturengiebel von Ernst Rietschel aus den Resten des von Semper gebauten ersten Dresdner Hoftheaters (Vorgänger der Semperoper) am Gebäude installiert, den die Stadt Dresden spendete. Trotz der Kriege und wirtschaftlicher Krisen und Schließung sowie Neueröffnung des Theaters, wurde die Theatertradition an einem festen Haus (mit Schwerpunkt Musiktheater) nie länger unterbrochen. Aus der Laienbewegung entstand 1948 die erste sorbische Berufsbühne, hatte jedoch lediglich Verwaltungs- und Probenräume. Das Sorbische Volkstheater widmete sich überwiegend Theaterveranstaltungen in den Gasthöfen sorbischer Gemeinden. Das bis heute einzige zweisprachige Berufstheater Deutschlands, das Deutsch-Sorbische Volkstheater, wurde feierlich am 2. August 1963 gegründet. Hervorgegangen aus dem Stadttheater Bautzen und dem Sorbischen Volkstheater war es damit in der Lage, neben dem zweisprachigen Schauspiel, auch sorbisches Musiktheaterrepertoire zu entwickeln und vorzustellen. Das alte Theatergebäude entsprach jedoch nicht mehr den Brandvorschriften und war technisch total veraltet. „Die Kulissen standen praktisch auf der Straße“, so die Erinnerung des Architekten Eberhard Ehrlich. Den Verantwortlichen fiel es 1969 nicht leicht, sich für eine Sprengung des alten Theatergebäudes zu entscheiden, schließlich wurde dadurch das historisch wertvolle kleine Schlosstheater, ein Schmuckkästchen mit Holzbalkendecken auf geschichtsträchtigem Grund, zerstört. Die durch die Stadt an dieser Stelle angelegten Blumenrabatten wurden von den Bautzenern als „Gräber von Schauspiel, Oper und Operette“ betitelt. Die Theatertradition konnte jedoch im Festsaal des Hotels „Stadt Bautzen“ (ehemals Hotel „Zur goldenen Krone“), wo 1862 die erste sorbische Theaterveranstaltung stattfand und auf der Probebühne fortgeführt werden.

Bischof-Benno-Haus

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An der ehemaligen Via Regia (Hohe Straße) gelegen, steht die katholische Bildungs- und Tagungseinrichtung des Bistums Dresden-Meißen. Dies war das ehemalige Rittergut Schmochtitz, welches ein Ortsteil von Bautzen war. Die Einrichtung trägt den Namen Bischof Bennos, der von 1066 bis 1106 Bischof von Meißen war und 1523 durch Papst Hadrian VI. heiliggesprochen wurde. Da er den hauptsächlichen Anteil an der Christianisierung der Sorben hatte, wird er nicht umsonst als „Apostel der Sorben“ bezeichnet. Die Geschichte des Gutes Schmochtitz geht bis ans Ende des Mittelalters zurück. Ab dem 14. Jahrhundert befand es sich meist im Besitz von Adelsfamilien aus der Gegend. Der sächsische Kammerherr beim Kurfürsten Friedrich August II., dem Sohn Augusts des Starken, Reichsgraf und Hausmarschall Peter August von Schönberg kaufte das Objekt im Jahre 1763. Bei der Gestaltung der spätbarocken Anlage wirkten namhafte Architekten, wie Pöppelmann jun., mit. Im Zusammenhang mit der Schlacht bei Bautzen im Mai 1813 wurde die Anlage durch französische Truppen stark beschädigt und anschließend wieder aufgebaut. Vor dem Erwerb des Gutes durch das Bistum Meißen im Jahre 1921 wechselten die Besitzer noch häufig. Unter Bischof Dr. Christian Schreiber (1872-1933) wurde das Gut Schmochtitz zum Priesterseminar. Hier lebte in der Zeit nach seinem Studium, ab 1938/39, auch Alois Andritzki (1914–1943). Er wurde am 13. Juni 2011 in einem Pontifikalamt vor der Kathedrale Sanctissimae Trinitatis (Katholische Hofkirche Dresden) als erster Sorbe seliggesprochen. Das rechteckige Herrenhaus brannte 1945 ab und wurde 1986 bis 1992 unter Berücksichtigung der alten barocken Baugestalt wieder aufgebaut. Das Bischof-Benno-Haus ist nicht nur als Bildungs- und Tagungsstätte, sondern auch als beliebtes Feriendomizil und Veranstaltungsort weit über die Grenzen des Landkreises bekannt. Mit einem ganz speziellen Konzertangebot, veranstaltet durch den Verein Via Regia Musikevents e. V., lockt das Musikfest Schmochtitz jährlich hunderte Besucher in die Anlage. Das Sorbische National Ensemble ist dabei, nicht nur durch das spezifische sorbische Programmangebot, eine feste Größe.

Britze Garten

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Hinter dem Gebäude des Sorbischen Instituts e. V., auf der Bahnhofstraße 6, befindet sich der Britze-Garten. Den Villengarten ließ der wohlhabende Kaufmann Gustav Britze im Jahr 1885 anlegen. Die Geschichte der Familie ist eng mit der Tradition der Senfherstellung in Bautzen und der 1866 in Bautzen gegründeten Firma verbunden. Der Kommerzienrat ist Vater einer der bedeutendsten Oberlausitzer Malerinnen, Marianne Britze (1883-1980). Nach der Ausbildung an der privaten Malschule Ferdinand Dorschs in Dresden (1909-1914) arbeitete sie seit 1919 freischaffend in Bautzen und war Mitbegründerin und Geschäftsführerin verschiedener Lausitzer Künstlervereinigungen. Die bekannte Bautzener Malerin fand hier im Villengarten ihre Blumenmotive und die Ruhe für ihre Malerei. Mit ihrer eigenen Handschrift, die man dem expressiven Realismus zuordnet, schuf sie ca. 120 Gemälde, 20 Druckgrafiken und 190 Zeichnungen zwischen Weimarer Republik und DDR-Kulturpolitik. In dem parkähnlichen Areal konnte sie u. a. auch Conrad Felixmüller, Otto Dix oder Karl-Schmidt-Rottluff als Gäste begrüßen. Ihre letzte Ruhestätte findet man auf dem Taucherfriedhof in Bautzen. Der Initiative Bautzener Kunstfreunde und des Bautzener Kunstvereins ist zu verdanken, dass der kleine Landschaftspark erhalten blieb. Seit 1998 kann man hier gelegentlich Sommerveranstaltungen sorbischer und städtischer Kulturakteure u. a. des Sorbischen Künstlerbunds e. V. und des Bautzener Kunstvereins e. V., Aufführungen des Deutsch-Sorbischen Volkstheaters und Konzerte u.a. des Sorbischen National-Ensembles erleben. Der Kunstverein Bautzen bemüht sich, den Britze-Garten mit Gesprächsabenden über Kunstthemen, Gartenfesten und kulturellen Veranstaltungen wieder mehr in den Fokus der Bautzener Bürger und der Gäste der Stadt zu rücken.

Brüdergemeine Kleinwelka

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Das ehemalige Rittergut im Ortskern (Peter-Buck-Str. 1) von Kleinwelka gelegen, beherbergt heute das Altenpflegeheim „Dora-Schmitt-Haus“ der Herrnhuter Diakonie. Die Geschichte des Hauses ist eng mit dem Leben von Matthäus Lange (1704-1786) verbunden. Durch den Einfluss von Johann Pech (1707-1741) und Johann Gottfried Kühne (1706-1763) kam er zu den Herrnhuter Pietisten. Es gelang ihm als Halbwaise und Tagelöhner der Aufstieg zum recht erfolgreichen Rittergutsbesitzer, eine Ausnahme in dieser Zeit. Mithilfe des Freiherren Friedrich C. von Gersdorff konnte Lange das Rittergut Kleinwelka erwerben. Nach dem Tod von Gersdorffs im Sommer 1751 nahm er die Teichnitzer Gemeinemitglieder in seinem Gut auf und legte damit den Grundstein für den brüderischen Gemeinort Kleinwelka, der in erster Linie als Mission für die sorbischen Mitglieder bestimmt war. Das Gut entwickelte sich innerhalb kürzester Zeit zum pietistischen Zentrum der Sorben der Ober- und Niederlausitz. Nach der Auflösung der Gemeine im Jahr 1942 wurde das Gut zum Lazarett. Das Leben in der Brüdergemeine war durch gemeinschaftliches Leben und Arbeiten geprägt. Die Herrnhuter Brüder-Unität errichtete (1770 – 1896) 6 Gebäude mit teilweise barockem Charakter: das Schwesternhaus, das Brüderhaus, das Witwenhaus usw. Für die Schwestern der Glaubensgemeinschaft waren die am Zinzendorfplatz gelegenen Schwesternhäuser nicht nur Wohnstätte und geistliche Heimat, sondern auch Arbeitsstätte für verschiedene handwerkliche Tätigkeiten. Heute ist dort ein Altenpflegeheim untergebracht, das zur Herrnhuter Diakonie (seit 2005) gehört. In den Schwesternhäusern versucht der Künstler Mike Salomon erfolgreich mit Sommerfesten, kulturellen Veranstaltungen und geschaffenen Übernachtungsmöglichkeiten die Liegenschaft neu zu beleben.

Burgtheater

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Bis 1945 gehörte das 1872 errichtete Kornhaus zur Silhouette der Bautzener Ortenburg. Durch Kriegseinwirkungen stark in Mitleidenschaft gezogen wurde es nicht wiederaufgebaut. Seit 2003 ist der moderne Neubau des Burgtheaters - eine Perle der Architektur - in dessen Foyer man noch ein Teil der alten Stadtmauer sehen kann, zu bewundern. Durch das Haus an der südlichen Stadtmauer, dem gegenüberliegenden klassizistischen Bau des Sorbischen Museums und der Renaissance-Ortenburg konnte das Gebäudeensemble der Burg wieder geschlossen werden. Als eine der Spielstätten des Deutsch-Sorbischen Volkstheaters hat hier die zweisprachige Sparte Puppentheater ihren Sitz. Außerdem kommen Schauspielinszenierungen der “kleinen Form” und des sorbischen Kinder- und Jugendtheaters als auch des Nachwuchsstudios zur Aufführung. Kammerkonzerte sind für den Besucher genauso erlebbar wie Lesungen, Ausstellungen und Diskussionsforen. Träger des Theaters ist der Landkreis Bautzen und darüber hinaus wird es durch die Stiftung für das sorbische Volk gefördert. Das Marionettentheater entspringt einer jahrhundertealten Tradition in Sachsen, so auch in Bautzen. Die private Puppenbühne in Bautzen betrieb Herbert Ritscher, der Enkelsohn von Ernst Ritscher (1853-1943) aus der deutschen Marionettenspielerfamilie, die über sieben Generationen in diesem Metier hauptsächlich im sächsischen Erzgebirge und der Lausitz tätig war. 1961 wurde er erster Leiter, der auf Initiative der Domowina gegründeten Marionettenbühne des Sorbischen Volkstheaters, der zehnten Bühne in öffentlicher Trägerschaft. Die erste Neuinszenierung, „Meister Krabat“ in sorbischer Sprache, hatte am 5. Juni 1961 seine Premiere. Hier liegt der Ursprung der einzigen konsequent in zwei Sprachen auftretenden Puppenbühne. Durch die Vereinigung des sorbischen Berufstheaters mit dem Bautzener Stadttheater im Jahr 1963 zum Deutsch-Sorbischen Volkstheater, ist es seitdem diesem zugehörig. Nach jahrelangen Interimsspielstätten u. a. auf dem Lauengraben oder in der Reithalle der Bautzener Kaserne, beschloss der Bautzener Kreistag 2000 den Theaterneubau, der am 12. September 2003 den Besuchern die Türen feierlich öffnete. Hinter Glas in der Fassade des neuen Burgtheaters wurden die Figuren von Rietschel, die zuvor den Giebel des Bautzener Stadttheaters schmückten, positioniert. Rietschel wurde u. a. durch Reliefs und Statuen am Hauptgebäude der Uni Leipzig, das Giebelfeld an der Berliner Oper und die Quadriga für das Braunschweiger Schloss bekannt. Die 130 Jahre alte Figurengruppe, 16 m lang, fast 3 m hoch und 15 Tonnen schwer, wird durch die Licht-, Musik- und Toninstallation „DIE kleine ORESTIE” (nach Aischylos von Ralph Oehme) hervorragend in Szene gesetzt.

Denkmal Handrij Zejler

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Auf dem Anger von Salzenforst, einem Ortsteil von Bautzen, befindet sich neben dem Geburtshaus auch das Denkmal für Handrij Zejler (1804-1872). Im Vorfeld des V. Festivals der sorbischen Kultur am 26./27. April 1980 wurde das ihm zum Gedenken geschaffene Denkmal feierlich eingeweiht. Handrij Zejler (Andreas Seiler) ist ein bedeutender sorbischer Dichter und zählt zu den Begründern der sorbischen Kunstliteratur. Mit seinem umfangreichen lyrischen Werk gestaltete er die Zeit der „Nationalen Wiedergeburt“ bei den Sorben. In seiner Lohsaer Zeit ab 1835 stand er im regen Austausch mit Jan Arnošt Smoler. Als Gründer (1842) und Redakteur (bis 1848) der „Wochenzeitung“ (Tydźenska Nowina), dem ersten sorbischen Presseorgan, trug er zum Forum moderner bäuerlicher Berufsbildung mit unterhaltsam-belehrenden Kolumnen bei. Von 1844 an begann die sehr produktive Zusammenarbeit mit dem Komponisten Korla Awgust Kocor (1822–1904), aus der das umfangreiche Repertoire der seit 1845 in Bautzen stattfindenden Gesangsfeste entstand. Unter anderem lieferte er die Textvorlage für den fünfteiligen weltlichen Oratorienzyklus „Die Jahreszeiten“ („Počasy“ 1845–1860) der bis heute durch die Gesangsvereine und das Sorbische National-Ensemble aufgeführt wird. 1845 war er Vorsitzender des Gründungsausschusses der wissenschaftlichen Gesellschaft „Maćica Serbska“ und späteres Mitglied des Vorstandes (1847). Die „Maćica Serbska“ verlegte die von ihm geschaffene Sammlung „Serbske basnje“ (1855) - das einzige in Buchform erschienene Werk Seilers. Andreas Seiler wurde auch durch eine Vielzahl von Fabeln, die durch sorbische Sprichwort- und Märchenüberlieferungen geprägt sind, bekannt. Über sein dichterisches Werk hinaus engagierte er sich „lange Zeit, auch oftmals unerkannt und unbemerkt, der ´factor movens´ bei allen sorbischen Bewegungen und Bestrebungen“ (A. Muka). Mit der 7-teiligen Gesamtausgabe der Originalschriften Zejlers (erschienen ab 1972 im Domowina Verlag Bautzen), machte Lucija Hajnec als Herausgeberin erstmals das Gesamtwerk des Begründers der sorbischen Nationalliteratur für die breite Öffentlichkeit vollständig zugänglich.

Denkmal Dr. Maria Grollmuß

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Im Jahr 1886 wurde ein Teil des Gasthofes „Zur Goldenen Sonne“ dem späteren Gewerkschaftshaus abgebrochen, um die heutige Dr.-Maria-Grollmuß-Straße (vorher Nordstraße) anzulegen. Am Eckgebäude zur Töpferstraße, dem damaligen Haus des Seifenfabrikanten Lehmann (Grollmußstr. 2), ist die Gedenktafel zu Ehren von Dr. Maria Karoline Elisabeth Grollmuß (dr. Marja Grólmusec), einer aktiven Widerstandskämpferin gegen den Nationalsozialismus, angebracht. Ihre Kinder- und Jugendzeit verbrachte sie in Leipzig. Ihre Erziehung wurde maßgeblich durch den Vater, der sorbischer Abstammung war, sowie seinen katholischen Glauben, beeinflusst. In der Zeit von 1920 bis 1925 studierte sie an der Universität Leipzig Geschichte, Philosophie, Deutsch, Französisch und Soziologie. Weitere Studienaufenthalte führten sie an die Humboldt-Universität Berlin, in die Schweiz, nach Frankreich und in die Tschechoslowakei. 1925 schloss sie Ihr Studium mit dem Staatsexamen für das höhere Lehramt in den Fächern Geschichte, Deutsch und Französisch ab. Die Doktorwürde bekam sie allerdings erst 1932, nach zahlreichen Bemühungen um einen Verlag verliehen. In der Leipziger Zeit engagierte sie sich bereits früh in sorbischen Vereinigungen. So wurde sie Mitglied der sorbischen wissenschaftlichen Vereinigung „Maćica Serbska“ (1918) und trug zur Gründung der Vereinigung sorbischer Studentinnen „Witaj“ an der Studienanstalt Leipzig (1919) bei. Zugleich begann sie sich auf politischem Gebiet zu engagieren. Ihre Gedanken waren insbesondere von den Idealen der Demokratie und des Sozialismus geprägt, denen sie ihr ganzes Leben treu blieb. Weitere Stationen ihres Lebens waren Offenburg (Lehramt), Frankfurt/M. (Journalistin – 1926) und Berlin (Studienassessorin – 1929). Im Jahr 1933 zog sie in das elterliche Sommerhaus nach Radibor. Sie beteiligte sich aktiv am Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Nach einer Denunziation (1934) verhaftet, wurde sie ein Jahr später vom Volksgerichtshof Berlin wegen Vorbereitungen zum Hochverrat zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt. 1944 verstarb sie im Frauenkonzentrationslager Ravensbrück. Mit ihrem Leben beschäftigten sich zahlreiche Autoren in ihren Publikationen, u. a. auch Maria Kubasch in der literarischen Biographie „Sterne über dem Abgrund“ (Berlin 1976).

Denkmal Dr. Arnošt Muka

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Unweit der Gedenkstätte Bautzen II auf der Weigangstraße (ehem. Wilhelmstraße - Weigangowa dróha), findet man am Haus Nr. 16 zum Gedenken an Arnošt Muka (Ernst Mucke) eine Tafel mit seinem Antlitz. Carl Ernst Mucke wurde als Sohn des Bauern Johann Georg Mucke in Großhähnchen geboren. Schon in seiner Gymnasialzeit (1866-1874) hatte er, als Vorsitzender des Gymnasialvereins „Societas Slavica Budissinensis“, enge Kontakte zu Handrij Zejler und Michał Hórnik. Von 1874 bis 1879 studierte er Theologie, Philologie und Slawistik in Leipzig, wo er 1878 promovierte. Während des Studiums war er neben Jakub Bart-Ćišinski, mit dem er sein Leben lang befreundet war, einer der Initiatoren der „Jungsorbischen Bewegung“ und ihres Organs „Lipa Serbska“. Ab 1880 nach seiner Anstellung am Bautzener Gymnasium schloss sich Muka der Vereinigung Bautzener Gespräch (Budyska Bjesada) an. Von 1882 bis 1907 wurde er als Redakteur der sorbischen Kulturzeitschrift Lausitz (Łužica) tätig. Die antisorbischen Bautzener Behörden bewirkten, auf Grund seines aktiven Engagements für sorbisch-patriotische Ziele, seine Versetzung nach Chemnitz (Kamjenica). 1887 bekam Muka eine Stelle am Albertinum in Freiberg, wo man ihn 1901 zum Professor und 1912 zum Konrektor berief. Ab 1894 war er auch Redakteur der Zeitschrift des sorbischen Wissenschaftsvereins „Maćica Serbska“. Im Jahr 1896 organisierte er die „Sorbische ethnografische Ausstellung“ in Dresden, welche im Rahmen der „Dresdner Ausstellung des sächsischen Handwerks und Kunstgewerbes“ zu besichtigen war. Mit dieser war der Grundstein für das erste sorbische Museum (gegründet um 1900) gelegt, welches im Wendischen Haus (Serbski dom) 1904 in Bautzen eröffnet wurde. Mit Erreichen des Ruhestandes kehrte er nach Bautzen zurück (1916) und wohnte ab dem Jahre 1917 bis zu seinem Tod (10.10.1932) auf der Weigangstraße 16. Seine letzte Ruhestätte befindet sich auf dem Taucherfriedhof. Dr. Arnošt Muka hat der Sorabistik internationale Anerkennung verschafft und war nach Michael Hornigs Ableben einer der bedeutendsten Organisatoren des sorbischen Kulturlebens, sowie Unterstützer mehrerer Generationen von sorbischen Wissenschaftlern und Schriftstellern. Die nach ihm benannte Straße (ehem. Gartenstraße und Bergstraße) verbindet den Postplatz mit dem August-Bebel-Platz.

Denkmal Jan Arnošt Smoler

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Im grünen Gürtel an der Ecke Steinstraße/Am Ziegelwall wurde 1968 das Denkmal für den verdienstvollen sorbischen Verleger, Publizisten, Sprachwissenschaftler, Volkskundler und eine führende Persönlichkeit der sorbischen nationalen Bewegung Jan Arnošt Smoler (Johann Ernst Schmaler) eingeweiht. Smoler wurde am 3.3.1816 in Merzdorf/Oberlausitz (Łućo) als Sohn des kulturell aktiven Lehrers Jan Korla Smoler geboren. Durch den Vater und den Dichter Handrij Zejler, der in seinem Kirchspiel als Pfarrer tätig war, wurde bereits früh die Liebe zum sorbischen Volk geweckt. Am Bautzener Gymnasium (1830-1836) initiierte er als Schüler 1832 einen sorbischen Sprachkursus. Er studierte von 1836 bis 1839 Theologie und von 1841 bis 1845 slawische Philologie in Breslau. Dort gründete er 1838 den Akademischen Verein für lausitzische Geschichte und Sprache, der auch die Pflege der sorbischen Kultur und das Betreiben historischer Studien zur Zielstellung hatte. Hervorzuheben ist auch die Herausgabe der Enzyklopädie „Volkslieder der Wenden in der Ober- und Niederlausitz“. In seiner Breslauer Zeit widmete sich Smoler auch der Entwicklung der neuen sorbischen Orthografie, die er in seinem „Němsko-serbski słownik“ (Deutsch-sorbisches Wörterbuch, 1843) veröffentlichte. Smoler zeichnete sich auch dadurch aus, dass er viele Vereinsgründungen, z.B. 1845/47 die wissenschaftliche Gesellschaft „Maćica Serbska“, initiierte. Von 1872 bis 1882 war Smoler auch Vorsitzender dieser Gesllschaft. Darüber hinaus organisierte er die seit 1845 stattfindenden Gesangsfeste mit. Nach seinem Aufenthalt in Leipzig (1847/48), wo er Jan Peter Jordan bei der Herausgabe der „Jahrbücher für slawische Literatur, Kunst und Wissenschaft“ unterstützte, wählte er Bautzen zu seinem Wohnsitz. In Bautzen wirkte er als Verleger und Redakteur der Wochenzeitung, „Tydźenska Nowina“, als auch anderer sorbischer Zeitschriften. Gemeinsam mit Johann Traugott Pech gründete er eine Verlagsbuchhandlung, in der er alle sorbischen und teilweise auch deutsche Zeitungen und Zeitschriften vertrieb. Politisch gesehen nahm er liberale Positionen ein. Primär verfolgte er die „Verständigung, Versöhnung, Vereinigung“ zwischen Deutschen und Slawen. Er verstarb am 13.06.1884 in Bautzen. Seine letzte Ruhestätte findet man auf dem Protschenbergfriedhof.

Denkmal Dr. Jan Pětr Jordan

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Um den sorbischen Publizisten, Slawisten, Redakteur und Verleger Jan Pětr Jordan (Johann Peter Jordan) zu ehren, wurde die ehemalige Bahnhofstraße zur Dr.-Peter-Jordan-Straße (beginnt am Bahnhof und führt in den Osten der Stadt) umbenannt. Jan Pětr Jordan wurde als Sohn eines Bauern am 15.2.1818 in Zischkowitz geboren. Nach dem Besuch des Gymnasiums (1830/31) in Bautzen, zog es ihn bereits mit 13 Jahren an das Sorbische Seminar nach Prag. Durch Václav Hanka (1791-1861) wurde Jordan beim Studium der slawischen Sprachen besonders gefördert. Durch Hanka wurde sein Bewusstsein als Sorbe und Slawe geprägt und es war ihm möglich, produktive Kontakte zu anderen slawischen Gelehrten zu knüpfen. Unabhängig von Jan Arnošt Smolers gleichzeitigen Bestrebungen, galten seine Bemühungen insbesondere der Vereinheitlichung der sorbischen Orthografie. In seiner Prager Zeit veröffentlichte er die „Grammatik der wendisch-sorbischen Sprache in der Oberlausitz“ (1841) und trug damit wesentlich zur Entwicklung der obersorbischen Rechtschreibung bei. Durch die Polizei Metternichs aus Prag (1841) ausgewiesen, siedelte er nach Leipzig über, wo er 1843 mit dieser Publikation promovierte. Die zweimaligen Versuche (in der Lausitz und in Leipzig) der Herausgabe der sorbischen kulturpolitischen Zeitschrift „Der Morgenstern“ („Jutnička“ 1842) scheiterten. Von 1842 bis 1848 wirkte Jordan als Lektor für slawische Sprachen an der Leipziger Universität. Da er sich aufgrund der national-politischen Entwicklungen in Böhmen um 1848 erneut nach Prag begab, verlor er das Lektorat in Leipzig. Aktiv beteiligte er sich an der tschechischen Nationalbewegung und war Mitorganisator des 1. Slawenkongresses 1848 in Prag. Unter der Redaktion von Jan Arnošt Smoler erschienen von 1848 bis Ende der 1860er Jahre seine bedeutendsten Zeitschriften – die „Jahrbücher für slawische Literatur, Kunst und Wissenschaft“. Die Misserfolge auf publizistischen sowie politisch-kulturellen Gebiet führten dazu, dass er sich in späteren Jahren hauptsächlich mit wirtschaftlichen Fragen beschäftigte. Ende der 1860er Jahre kehrte er Prag den Rücken und zog nach Wien, wo er enge Kontakte zu konservativen alttschechischen Kreisen pflegte. Im Jahr 1881 wurde er auf einer Pilgerreise zum Ritter des päpstlichen St. Gregorius-Ordens ernannt. Trotz des Scheiterns seiner Pläne und Ideen in seiner Oberlausitzer Heimat und außerhalb, zählt er gemeinsam mit Jan Arnošt Smoler zu den bedeutendsten geistigen Wegbereitern der sorbischen nationalen Wiedergeburt. Dr.Pětr Jordan verstarb am 20.05.1891 in Wien.

Denkmal Jan Radyserb-Wjela

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Gegenüber der Maria-und-Martha-Kirche am Eckhaus Karl-Liebknecht-Straße 2 / Taucherstraße, welches um 1885 erbaut wurde, ist eine Gedenktafel für Jan Radyserb-Wjela angebracht. Jan Radyserb (Pseudonym „gerne Sorbe“) – Wjela (Wehle) war einer der produktivsten und populärsten sorbischen Schriftsteller des 19. Jahrhunderts und lebte in diesem Haus. Er wurde 1822 im damaligen Dorf Seidau als Sohn eines Steinbrucharbeiters und einer Kräuterfrau geboren und diente bereits mit 13 Jahren bei den Bauern der Umgebung als Kuhhirt. 1836 wurde er in die Präparande in Bautzen aufgenommen. Er hatte das besondere Glück, am ersten Bautzener Lehrerseminar von 1838 bis 1842 gemeinsam mit Karl August Katzer, Johann Georg Melde, Johannes Bartke, Michael Rostock und Johann Traugott Mutschink seine Lehrerausbildung zu absolvieren. Die fortschrittlich pädagogische und politisch demokratische Ausrichtung der Ausbildung prägte sein späteres politisches und nationales Engagement im „Wiedergeburtszeitalter“. Er gehörte zum Gründungsausschuss der sorbischen wissenschaftlichen Gesellschaft „Maćica Serbska“, in deren Verlag er die meisten seiner Werke veröffentlichte. Mit seiner Sammlung sorbischer Originalerzählungen (1847), die als erste erschien und andere Autoren animierte seinem Beispiel zu folgen, leitete er die Tradition der Herausgabe sorbischer weltlicher Prosa ein. Im Jahr 1886 erschien seine bekannteste längere Erzählung „Jan Manja“. In dieser Erzählung entwarf er ein Zeitbild der nationalen Wiedergeburt und folgte dem Aufruf von Michael Hornig, den er in seiner Veröffentlichung „Geschichte des sorbischen Volkes“ 1884 an die sorbischen Schriftsteller richtete. Dies war ein Aufruf durch historische Erzählungen und Gedichte die Geschichte des sorbischen Volkes zu erhellen. Dem „Wiedergeburtszeitalter“ inhaltlich-stilistisch zugeordnet, unterscheidet er sich in seinen Werken durch den epischen Gesamtcharakter von Handrij Zejler. Die 1950 gegründete sorbische Kindertagesstätte auf dem Friedrich-Engelsplatz 8 in Bautzen trägt zu Ehren des Lehrers, Dichters und Schriftstellers, Volkskundlers und kleinbürgerlichen Demokraten den Namen „Jan Radyserb-Wjela“.

Deutsch-Sorbisches Volkstheater

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Das Deutsch-Sorbische Volkstheater befindet sich, integriert in die südlichen Parkanlagen der Stadt Bautzen – die Schilleranlagen, auf der Seminarstraße 12. Der Eigenbetrieb des Landkreises Bautzen, gefördert durch die Stiftung für das sorbische Volk und den Kulturraum Oberlausitz-Niederschlesien, ist die einzige zweisprachige professionelle Bühne und kommt damit dem Rang eines Nationaltheaters der Sorben gleich. Nach der Sprengung des alten Gebäudes des Bautzener Stadttheaters auf dem Kornmarkt (ehem. Platz der Roten Armee)im Jahr 1969, scheiterte der Neubau vorerst an fehlenden Baukapazitäten in der damaligen DDR. Mit einer List wurde das Bauvorhaben als Anbau an ein altes Probengebäude deklariert und dadurch genehmigungsfähig. 1973-75 errichtet, blieb es jedoch durch den fehlenden Bühnenturm unvollendet. Nach eineinhalbjähriger Umbauphase konnten sich die Besucher aber erst im Februar 2006 über den nun fertiggestellten Theaterbau mit Bühnenturm erfreuen. Die Bautzener Stadttheatertradition reicht bis in das 15. Jahrhundert zurück. Bereits 1413 konnten die Bürger Bautzens Theaterspektakel auf dem Marktplatz erleben. Das erste sorbischsprachige Theaterspiel fand im Ballsaal des Hotels „Zur goldenen Krone“ im Oktober 1862 statt. Durch die Zusammenlegung des am 13. Oktober 1948 gegründeten Sorbischen Volkstheaters und des 1796 gegründeten Bautzener Stadttheaters im Jahr 1963 entstand das Deutsch-Sorbische Volkstheater zum beiderseitigen Vorteil. Das sorbische Berufstheater unter der Leitung des erfahrenen Theaterfachmanns Jan Krawc hatte bisher lediglich Proben- und Verwaltungsräume am Schülertor. Nun hatte es auch eine feste Spielstätte. Das Bautzener Stadttheater wurde durch das Zusammengehen mit dem Sorbischen Volkstheater in seiner Existenz nie zur Disposition gestellt. Tiefe Einschnitte musste das Theater durch die Auflösung der eigenen Musiktheatersparte nach den politischen Umwälzungen 1992 erfahren. Nur von kurzer Dauer waren die im Stagione-Prinzip dreimal jährlich produzierten eigenen Musiktheaterinszenierungen. Durch den Beschluss des Kulturkonventes des Kulturraumes Oberlausitz-Niederschlesien wird das Musiktheaterangebot seit 1999 durch das Görlitzer Musiktheater abgedeckt. Mehrere Fusionsbestrebungen mit dem Sorbischen National-Ensemble, als auch mit beiden anderen Theatern des Kulturraumes in den Folgejahren schlugen fehl. Das Theater entwickelte sich durch sorbische und deutsche Schauspielinszenierungen zur bedeutsamen Kulturinstitution, welche weit über die Grenzen der Lausitz hinaus bekannt ist. Es trägt maßgeblich zur Erhaltung und Entwicklung der sorbischen Sprache und Kultur, nicht zuletzt durch das sorbische Kinder- und Jugendtheater, bei. Im eigenen Nachwuchsstudio begann für so manchen sorbischen Jugendlichen der Start der Karriere als Berufskünstler. Die Tradition der Abstecherveranstaltungen in den sorbischen Gemeinden der Ober- und Niederlausitz als auch die professionelle Anleitung der sorbischen Laientheatergruppen wurde nie aufgegeben.

Dom St. Petri

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Gegenüber dem Rathaus auf dem Fleischmarkt, der geografisch höchsten Stelle der Stadt, steht eine der wichtigsten Kirchenbauten Sachsens – der Dom St. Petri zu Bautzen. Der Kirchbau ist eine der größten und die älteste Simultankirche Deutschlands. Aufgrund alter Überlieferungen ließ Graf Eido von Rochlitz (955-1015), dritter Bischof von Meißen, an dieser Stelle die bereits 927 angelegte Pfarrkirche im Jahr 999 erweitern. Damit ist Bautzen der älteste Kirchenstandort der Oberlausitz. Geschichtlich belegt ist die völlige Erneuerung des Kirchenbaus in den Jahren 1213 – 1221 (Einweihung des Chores). Im gleichen Zeitraum wurde der Kollegiatsstift St. Petri gegründet. Am 24. Juni 1221 wurde vom Meißner Bischof Bruno II. von Borsendorf (21. Bischof von Meißen 1210–1229), zu Ehren der Kirchenapostel Petrus und Paulus, die Weihe der Bautzener Domkirche vollzogen. In den folgenden früh- und spätgotischen Architekturepochen wurde der Dom erweitert und erhielt 1430 sein heutiges äußeres Aussehen. Die innere Umgestaltung im barocken Stil begann im Jahr 1636. Die Barockhaube wurde 1664 auf dem Turm errichtet. Seit der Reformation nutzen die Kirche römisch-katholische und evangelisch-lutherische Bürger der Stadt Bautzen gleichermaßen. Aufgrund von Auseinandersetzungen durch die unterschiedliche konfessionelle Nutzung einigten sich die Gläubigen im 16. Jahrhundert in Kirchenverträgen hinsichtlich der zeitlichen Abläufe und Termine. Im Jahr 1566 wurde der Chor für den katholischen und das Langhaus für den evangelischen Gottesdienst durch ein eisernes Gitter getrennt. Das Bauwerk wurde im Laufe der weiteren Geschichte mehrmals restauriert, zuletzt im Jahr 2015. Von der Türmer-Wohnung, in 47 Metern Höhe, hat man nach dem Aufstieg (214 Stufen) nach allen Himmelsrichtungen einen einzigartigen Ausblick auf die 1000-jährige Türmestadt und das Oberlausitzer Umland. Der am Pfingstmontag, den 13. Juni 2011, in Dresden selig-gesprochene Alois Andritzki wurde am 30. Juli 1939 durch Bischof Petrus Legge im Dom zum Priester geweiht. Im Dom St. Petri findet neben sorbischen Gottesdiensten und Trauungen (z. T. auch traditionell in sorbisch-katholischer Tracht), eine Vielzahl von Konzerten mit sorbischer und deutscher Konzertliteratur als auch Oratorienaufführungen statt. Alljährlich am ersten Osterfeiertag können die Bautzener Bürger und Gäste der Stadt die Rückkehr der Bautzener Osterreiterprozession, welche sich von der Kirche Unserer Lieben Frau nach Radibor begibt, erleben.

Domowina Verlag

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Das denkmalgeschützte Gebäude auf der Tuchmacherstraße 27 in Ecklage zur Kurt-Pchalek-Straße mit baugeschichtlicher und ortsgeschichtlicher Bedeutung, ist der Sitz der Domowina-Verlags GmbH. Mit der Lizenz 299 erteilte die Sowjetische Militäradministration am 31. Mai 1947 dem Verlag Domowina und der angeschlossenen Druckerei die Genehmigung u.a zur Herausgabe der Zeitung "Neue Zeit" (Nowa Doba), welche ab dem 6. Juni 1947 mit sechs Seiten erschien. Zusätzlich erhielt das Verlagshaus die Genehmigung zur Herausgabe der pädagogischen Literatur vom Sorbischen Volksbildungsamt im Ministerium für Volksbildung der Landesregierung Sachsen. 1949 folgte die Aufnahme in den Börsenverein des Deutschen Buchhandels. Da die Domowina, der Bund Lausitzer Sorben, als Träger keinen eigenen Verlag unterhalten sollte, wurde die GmbH gelöscht. Am 1. Juli 1958 kam es zur Neugründung des Verlages als volkseigener Betrieb. Dieses Datum galt seitdem als offizielles Gründungsdatum. Der erste Leiter und spätere Direktor war Martin Benad (Měrćin Benada), der den Verlag bis 1988 leitete. 1962 verlor das Verlagshaus das Recht, Bücher aus slawischen Sprachen in deutscher Sprache zu verlegen. Grund dafür war die neue Profilierung der DDR-Verlage. Bis 1990 erschienen insgesamt 2.400 Titel, davon nur 20 Prozent in deutscher Sprache. Die Auflagenhöhe schwankte von durchschnittlich 800 bis 3.000 Exemplaren. Die Hauptverwaltung Verlage und Buchhandel beim Ministerium für Kultur in Berlin war der Träger des Verlages. Im Juni 1990 erfolgte die Überführung in die privatwirtschaftliche Form der GmbH. Die Zukunft des Unternehmens lag aufgrund der niedrigen Auflagen im Ungewissen. Da sich kein Käufer fand, drohte zum 30. Juni 1990 die Liquidation. Durch die Gründung der Stiftung für das sorbische Volk im Jahr 1991, konnte dieser Abwicklungsprozess verhindert werden. Da die Stiftung jedoch noch keine Rechtsfähigkeit erlangte, wurde die weitere Privatisierung durch vier sorbische Vereine getragen. 1993 wurde dann der Gesellschaftsvertrag für die GmbH mit gemeinnütziger Zielsetzung abgeschlossen. Seit der juristischen Selbständigkeit der Stiftung ist diese die alleinige Gesellschafterin der Domowina-Verlags-GmbH. Als Nationalitätenverlag der Sorben widmet er sich der gesamten Bandbreite des sorbischen Schrifttums und folgt damit der mehr als 450-jährigen Tradition des Verlegens des sorbischen gedruckten Wortes. Der Verlag ist auf die Entwicklung, Herausgabe und den Vertrieb von Publikationen mit sorbischen Inhalten aller Gebiete spezialisiert. Neben regelmäßigen Editionen der Klassiker wie Handrij Zejler, Jakub Bart-Ćišinski, Mato Kosyk und Mina Witkojc werden auch belletristische Werke zeitgenössischer sorbischer Schriftsteller wie Jurij Brězan, Kito Lorenc und Róža Domašcyna hergestellt. Sorbische Literatur in deutscher Sprache findet man in der Reihe „Die sorbische Bibliothek“. Forschungsergebnisse der Wissenschaftler auf den Gebieten der sorbischen Sprache, Literatur, Geschichte und Volkskunde erscheinen jährlich in zwei bis drei Bänden der „Schriften des Sorbischen Instituts“. Besonderes Augenmerk wird auf die Entwicklung und Edition der Kinder- und Jugendliteratur als Multiplikator zum Erhalt und der Weiterentwicklung der sorbischen Sprache gelegt. Lizenzausgaben aus anderen Literaturen komplettieren das Verlagsprogramm. Die Herausgabe des Abendblattes Sorbische Zeitung (Serbske Nowiny), der niedersorbischen Wochenzeitung Nowy Casnik und der sorbischen Kulturzeitschrift Rozhlad gehören ebenfalls zu den Aufgaben des Verlages. Aufgrund der Nachfrage beschäftigt sich das Verlagshaus auch mit neuen Medien und produziert Hörbücher, E-books und E-Paper.

Erstes Lehrerseminar

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Auf der heute als Wohnhaus genutzten Fläche an der Ecke Mönchsgasse (ehemals hinder den monchen - weist auf das Kloster der Franziskaner hin) zum Burglehn stand bis 1988 das sogenannte Brüsewitz´sche Haus, welches durch den baulichen Verfall nicht mehr erhalten werden konnte. Ab dem Jahr 1817 bis Ende des Jahrhunderts diente dieses Gebäude als erstes Lehrerbildungsseminar in Bautzen. Dort wurden Lehrer für die Oberlausitz ausgebildet. Gemeinsam studierten Sorben und Deutsche unabhängig von ihrer Konfession. An dieser Einrichtung absolvierten neben Karl August Katzer, auch Johann Wehle, Johann Georg Melde, Johannes Bartke, Michael Rostock und Johann Traugott Mutschink ihre Ausbildung zum Lehrer. Der überwiegende Teil der Lehrerstudenten stammte aus ärmlichen Verhältnissen und kannte daher die sozialen und geistigen Verhältnisse des arbeitenden dörflichen Volkes. Das Seminar hat sich durch das fortschrittliche pädagogische und politische Handeln des Direktors Dreßler in demokratischen Kreisen und bei führenden deutschen Pädagogen, wie z.B. Diesterweg, einen guten Ruf geschaffen. Die Bemühungen von Andreas Seiler, Johann Ernst Schmaler,Johann Peter Jordan und Andreas Lubensky um die Entwicklung der sorbischen Sprache als Kernstück der Entwicklung der sorbischen Nationalkultur prägte diese junge Lehrergeneration darüber hinaus. In der Zeit ihrer Ausbildung wurde der Grundstein in ihrem Bewusstsein gelegt, der sie zu den führenden demokratischen sorbischen Kräften in der Zeit der bürgerlichen Revolution 1848/49 und in der Zeit der sog. „Nationalen Wiedergeburt“ bei den Sorben machte.

Geburtshaus von Handrij Zejler

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In Salzenforst, einem Ortsteil von Bautzen, findet man das Geburtshaus von Handrij Zejler (Andreas Seiler). Dieses befindet sich an der Ecke Salzenforster Straße/Handrij-Zejler-Straße. Noch heute erinnert eine Gedenktafel an den „Ahnvater der sorbischen Poesie", die er fast ein ganzes Jahrhundert beherrschte. Er wurde hier 1804 als Sohn eines Häuslers und Brunnenbauers und einer Wirtschafterin geboren. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Bautzen widmete er sich dem Studium der evangelischen Theologie in Leipzig (1825-1829). Als Editor der handschriftlichen „Sorbischen Zeitung“ (Serbska Nowina) und der Zeitung der Leipziger Studentenvereinigung Sorabia, veröffentlichte er neben folkloristischen Sammelergebnissen auch eigene Gedichte. Darunter war auch das Gedicht „Auf die sorbische Lausitz“ (1827), welches später zur sorbischen Nationalhymne wurde (seit 1923 „Lausitz, schönes Land“ - „Rjana Łužica“). Nach dem Studium wirkte er an verschieden Orten als Hilfsprediger, bevor er Ende 1830 Diakon in Klix wurde. Im Jahr 1835 erhielt er seine Lebensanstellung als Pfarrer in Lohsa, wo er 1872 verstarb. Im dortigen ehemaligen Schulgebäude, dem heutigen „Zejler-Smoler-Haus“, in welchem auch Jan Arnošt Smoler seine Jugendzeit verbrachte, widmet sich der Förderverein „Begegnungsstätte Zejler-Smoler-Haus Lohsa e. V.“ der Pflege und Förderung sorbischer Kulturtraditionen und ihrer Wechselwirkung mit der deutschen und europäischen Kultur. So wird das Andenken an ihren Pfarrer und den bedeutenden sorbischen Dichter bewahrt.

Haus der Landwirtschaft

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Der ursprünglich als Sackgassendorf entstandene Ort wurde 1359 eingemeindet. Zwischen 1360 und 1370 wurde der Name Gosczic oder Goschicz erstmalig als Ortsbezeichnung /Personenname erwähnt. Nach 1403 war neben Gossicz auch der Name Gossiczgasse gebräuchlich. 1422 mauerte man das Goschwitztor zwischen Wallstraße und Schilleranlagen an der Bahnhofstraße zu. Als Straße der Goschwitz-Siedlung bezeichnete man den damals befestigten Weg erst im 18. Jahrhundert. Spuren der sorbischen Geschichte kann man heute noch an der Fassade des Hauses Goschwitzstraße 9 sehen. Der verwitterte Schriftzug „Haus der Landwirtschaft“ weist auf die sich in diesem Gebäude einst befindliche „Mühlenbäckerei Uhyst“, das Geschäft von Ernst Bart aus Uhyst/Spree hin. Nach 1933 verdiente sich Ernst Bart aus Briesing (Arnošt Bart-Brězynčanski) in dem Geschäft seines Sohnes seinen Lebensunterhalt als Verkäufer. Bis zur Deportation bestand die Stammkundschaft des Geschäfts überwiegend aus jüdischen Bürgern der Stadt. Bart ging mit Ihnen sehr ehrwürdig und menschlich um. Hier konnten die mit dem Judenstern gekennzeichneten einen Moment ihr unglückliches Los der Deportation in die Vernichtungslager vergessen. Fast täglich kamen Georg Melzer und Jan Ernst Holan, die man aus dem Schuldienst entlassen hatte, zu ihm. Regelmäßig kam auch Ernst Simon, der schräg gegenüber ein Zigarrengeschäft betrieb, vorbei. Soweit sie in Bautzen waren, kamen auch Jan Skala, Theodor Dobrucký und andere Persönlichkeiten zu ihm, um über die Situation an der Front und Neuigkeiten aus dem Ausland zu diskutieren und zu informieren. So entstanden weitreichende Kontakte in alle Regionen der Lausitz und das Geschäft entwickelte sich zu einer wichtigen Nachrichtenstelle. Überliefert ist auch, dass Bart bei jedem Fremden, der den Laden betrat, sehr vorsichtig war und nur über belanglose Themen sprach. Jeden Samstag traf sich in den hinteren Räumen dieses Geschäfts der Kreis der sorbischen Antifaschisten. Unter ihnen waren viele alte Freunde und Kameraden aus der Zeit der Domowina Bewegung vor und nach dem Ersten Weltkrieg. In den Jahren von 1937 bis 39 bemühten sie sich um die Gründung einer geheimen sorbischen antifaschistischen Organisation. Bart gehörte nicht dazu, da er regelmäßig durch die Gestapo verhört wurde.

Haus der Sorben

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Der heutige Postplatz war bis Mitte des 19. Jahrhunderts ein Dorfteich, auch als „Pferdepfütze“ bekannt. Im Jahr 1945 erwarb die „Maćica Serbska“, der sorbische Wissenschaftsverein, das Grundstück der kriegszerstörten Lessingschule auf dem Postplatz 2, nachdem das alte Wendische Haus am Lauengraben 1945 zerstört wurde. Zum 100-jährigen Jubiläum der Gründung des Vereins erfolgte 1947 die Grundsteinlegung für das neue Haus der Sorben. Die Finanzierung des Aufbaus erfolgte überwiegend aus Spenden/Geldsammlungen, nach 1952 auch durch die Regierung der DDR und von Anfang an durch freiwillige Arbeitsleistungen der sorbischen Jugendbrigaden. Mehr als 500 Jugendliche kamen aus den Dörfern des ganzen sorbischen Sprachgebietes und räumten mit Enthusiasmus die Trümmer und den Bauschutt auf. Die Sandsteinfigur von Konrad Sende an der Ostfassade erinnert noch heute an den ersten Jugendbrigadeleiter Paul Schenker. Feierlich wurde am 8. Juli 1956 zum II. Sorbentreffen das neue Gebäude eingeweiht. Das durch den sorbischen Nationalkünstler Martin Nowak-Neumann mit einem Glasmosaik gestaltete Fenster ziert heute noch das Foyer des Hauses. Es zeigt die sorbischen Bräuche im Verlauf des Jahres geordnet nach den Folkoreregionen und das Logo der Domowina (1966). Das neu entstandene Haus der Sorben mit Festsaal und Café entwickelte sich in kürzester Zeit zum Mittelpunkt des sorbischen öffentlichen und kulturellen Lebens. Hier hatten der Bundesvorstand der Domowina, der Domowina-Kreisverband Bautzen „Jan Arnošt Smoler“, der Domowina Hochschulverband „Jan Skala“, das Haus für sorbische Volkskunst mit dem Folklorezentrum, die Arbeitsstelle für Schulen im zweisprachigen Gebiet der Akademie der pädagogischen Wissenschaften der DDR und die Sorbische Redaktion des Rundfunks der DDR, Sender Cottbus das gemeinsame Domizil gefunden. Den Saal nutzten auch vielzählige sorbische Laienkünstler (sorbisches Laientheater, sorbische Laienchöre) und Vereinigungen und belebten durch die Veranstaltungen das Verwaltungsgebäude. Die Domowina, die nationale Organisation der Sorben, wurde nach und nach durch die marxistisch-leninistische Nationalitätenpolitik der Regierung der DDR und der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) gleichgeschalten und für deren Ziele benutzt. Nach der Erneuerung der Domowina im Prozess der politischen Umwälzung von 1989 konnte sie, in der Rechtsform eines Vereins gefördert von der Stiftung für das sorbische Volk, als unabhängiger Dachverband der sorbischen Vereine der Ober- und Niederlausitz an ihre Traditionen von 1912 anknüpfen. Das Haus der Sorben in Bautzen ist heute nicht nur Verwaltungssitz der Domowina – Bund Lausitzer Sorben mit dem WITAJ-Sprachzentrum, den wichtigsten sorbischen Vereinen, wie dem Wissenschaftsverein Maćica Serbska, dem Sorbischen Schulverein, dem Bund sorbischer Gesangsvereine, sondern auch des Sorbischen Studios des Mitteldeutschen Rundfunks (mdr) und der 1991 in Lohsa, auf Grundlage eines Staatsvertrages zwischen dem Freistaat Sachsen, dem Land Brandenburg und dem Bund gegründeten Stiftung für das sorbische Volk. Die rechtsfähige Stiftung trägt als wichtigstes Förderinstrument zur Bewahrung, Entwicklung, Förderung und Verbreitung der sorbischen Sprache, Kultur und Traditionen bei. Sie ist Gesellschafter der Sorbischen National Ensemble gGmbH, der Domowina Verlags-GmbH und fördert das Sorbische Institut, das Deutsch-Sorbische Volkstheater, das Sorbische Museum in Bautzen sowie das Wendische Museum und die Schule für Niedersorbische Sprache und Kultur in Cottbus. Im Zuge der Projektförderung werden satzungsgemäße Vorhaben von Vereinen gefördert. Durch den Umbau der Klubräume des Sorbenhauses fand auch die Sorbische Kulturinformation, als Abteilung der Stiftung, einen repräsentativen Standort. In diesem Servicepunkt kann man neben Tickets für sorbische Veranstaltungen auch volkskünstlerische Erzeugnisse, Bücher, CDs und DVDs erwerben. Zugleich werden die Räume auch für Veranstaltungen, u. a. Ausstellungen und Buchpräsentationen, genutzt.

Kornmarkt

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An der Stelle des heutigen Kornmarktcenters befand sich bis Ende der 90-iger Jahre ein großer freier Platz (ehem. Platz der Roten Armee), der durch die Verlängerung der Seminarstraße zur Theatergasse begrenzt wurde. Dahinter stand einst das Bautzener Stadttheater bis 1969) und später die Luther-Lessingschule. Heute führt dieser ehemalige Fußweg mitten durch das Einkaufszentrum, welches am 20. September 2000 eröffnet wurde. Dort wurden von 1966 bis 1989, im Turnus von anfangs zwei Jahren, dann von vier bis fünf Jahren, die Festivals der sorbischen Kultur (Festiwal serbskeje kultury)veranstaltet. Schon in den 1920/30-iger Jahren fanden Verbandstreffen der Domowina, die den Überlebenswillen des sorbischen Volkes zum Ausdruck brachten, statt. Diese Tradition wurde durch das I. Sorbische Volkstreffen (Zjězd Serbow 1950) und das II. Sorbische Volkstreffen (1956) in Bautzen fortgeführt. Das I. Festival (1966) und II. Festival (1968) beflügelten das volkskünstlerische Schaffen in der Ober- und Niederlausitz und das geistig-kulturelle Leben. Mehr als 35.000 Besucher besuchten diese Veranstaltungen. Bautzen hatte damit einen weiteren kulturellen Höhepunkt im Jahresverlauf. Die gesamte Stadt zeigte sich im Festgewand – die Plätze und Straßen füllten Menschen der Ober- und Niederlausitz in ihren Festtrachten, auf den Sälen wurde gefeiert und gesungen und begeisterte die sorbischen und deutschen Bürger der Stadt und deren Gäste aus dem In- und Ausland. Die finalen Programme auf der großen Freilichtbühne auf dem Kornmarkt, welche durch Berufskünstler und Mitglieder der Laiengruppen der Lausitz und aus den benachbarten Ländern Tschechoslowakei und Polen aufgeführt wurden, zeigten die Verbundenheit der Völker. Ab dem IV. bis zum VI. Festival entwickelten die Programmgestalter ein spezifisches Profil, das die sorbische Kultur als national eigenständig hervorhob und auch neue professionelle Werke entstehen ließ. Zum siebenten und zugleich letzten Mal fand das Festival der sorbischen Kultur 1989 statt. Zum traditionellen stattfindenden Bautzener Stadtfest „Bautzener Frühling“ kann der Besucher auf dem Kornmarkt vor dem Reichentum die Vorstellungen sorbischer Gesangs- und Tanzvereine und Berufskünstler einmal jährlich erleben. An die Tradition der Festivals sorbischer Kultur knüpfen auch die Organisatoren des Internationalen Folklorefestivals in Crostwitz, welches mit Unterstützung der Stiftung für das sorbische Volk, durch Sponsoren und Spenden seit 1995 im Turnus von zwei Jahren stattfindet, an.

Landratsamt Bautzen

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Gegenüber dem Sorbischen Institut auf der Bahnhofstraße 9 hat der Landrat des Landkreises seinen Sitz. Um 1860 hieß diese Straße noch Hauptstraße. Mit der Durchbrechung des Wallgürtels war dies die kürzeste Verbindung vom Bahnhof in die Stadt. Das Gebäude der Landkreisverwaltung Bautzen wurde durch das Dresdner Architekturbüro Walther Wiliam Lossow (1852-1914) & Max Hans Kühne (1847-1942) entworfen und in den Jahren 1907 bis 1910 als Haus der Oberlausitzer Landstände mit Landständischer Bank errichtet. Das Oberlausitzer Provinzialwappen über dem Portal stammt vom barocken Vorgängerbau, dem Bautzener Landhaus (errichtet 1867/68), in der Schlossstraße 10. In diesem tagten schon zu jener Zeit die Landtage der Oberlausitzer Stände. Im neuen Gebäude versammelten sich die Landstände, um in relativer Selbständigkeit gegenüber den Landesherren, die Provinz Oberlausitz zu verwalten. Der politische Sonderstatus wurde per Erlass (Urkunde über die Anwendung der Verfassung des Königreiches Sachsen auf die Oberlausitz) im Jahre 1834 beendet. Bis 1945 existierten die Landstände als Körperschaft des öffentlichen Rechts weiter. Danach zog das Landratsamt (1945) in das Gebäude ein. Durch den sowjetischen Militärkommandanten in Sachsen wurde Dr. Johannes Ziesche zum ersten Landrat berufen. Im Oktober 1952 stand er erstmals dem neu geschaffenen Rat des Kreises Bautzen vor. Jan Cyž wurde am 13.1.1898 in Säuritz (Žuricy) in kleinbäuerliche Verhältnisse geboren. Nach dem Besuch der Domschule besuchte er das Deutsche Gymnasium in Prag (1920) und promovierte später an der Prager Karls-Universität Sektion Rechtswissenschaften (1926). Die Nationalsozialisten verhafteten ihn wegen seiner Aktivitäten in der nationalsorbischen Bewegung. Wieder freigelassen, übernahm er von 1934 bis 1937 die Leitung der Smolerschen Druckerei im alten Wendischen Haus in Bautzen und die Herausgabe der sorbischen Tageszeitung „Serbske Nowiny“. Nach dem Krieg konnte sich Jan Cyž als erster sorbischer Landrat (und bisher einziger) in Bautzen große Sympathien der deutschen und sorbischen Bevölkerung erarbeiten. Diese beruhen auf seinen Leistungen bei der Überwindung der chaotischen Nachkriegsverhältnisse. Auch war er Mitbegründer der nach dem Krieg neu entstandenen Domowina und leitete die Nowa-Doba-Druckerei (1959-1963). Auf dem Protschenbergfriedhof kann man seine letzte Ruhestätte finden. Die Sorbische Sprachschule in Milkel, welche sich von 1953 bis 1991 im dortigen Schloss befand, trug zu Ehren des sorbischen Verlegers und Publizisten den Namen Dr. Jan Cyž. Im heutigen Landratsamt des Landkreises Bautzen finden unregelmäßig auch Konzerte mit sorbischem Hintergrund und Ausstellungen sorbischer bildender Künstler statt.

Lausitzer Druckhaus

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Das Lausitzer Druckhaus findet man auf der Töpferstraße 35. Es führt die über 450-jährige Tradition des gedruckten Wortes in Bautzen fort. Als „Sorbische Druckerei“ zu Bautzen sorgte diese dafür, dass die Lausitz von Gutenbergs Erfindung profitieren konnte. Durch das Verbot des nationalsozialistischen Regimes erfolgte im Jahr 1937 die Schließung. Die Neugründung erfolgte am 6. Juni 1947 als „Domowina, Druckerei und Verlag GmbH“. 1948 begann der Betrieb mit der Buchproduktion, nachdem anfangs nur die Zeitung „Nowa Doba“ – die sorbische Zeitung – herausgegeben wurde. Im Jahr 1951 ging die Druckerei in das Organisationseigentum der Domowina, dem Bund der Lausitzer Sorben, unter dem Namen „Nowa doba – Druckerei der Domowina“ über. Nach Übernahme weiterer Druckereien und der Trennung vom Verlag im Jahr 1958, wurde die Druckerei 1964 zugleich Kreisdruckerei. Dabei wurde der VEB Domowina-Verlag zum engsten Partner und Auftraggeber. Seit 1990 stellt sich die Druckerei den marktwirtschaftlichen Anforderungen. Die sorbischsprachigen Druckerzeugnisse waren weiterhin Bestandteil der Tätigkeit des Druckhauses. Im September 2017 meldete die Druckerei die Insolvenz an. Damit endete die über Jahrhunderte alte Tradition des klassischen Druckwesens in Bautzen.

Liebfrauenkirche

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Die Kirche Unserer Lieben Frau, im Allgemeinen als Liebfrauenkirche bezeichnet, wird als katholische Kirche überwiegend von sorbischsprachigen Gemeindemitgliedern genutzt. Sie ist eine Filialkirche der Dompfarrgemeinde St. Petri. Außerhalb der ehemaligen inneren Stadtmauer, östlich des Reichenturmes gelegen, befindet sich die Kirche Unsrer Lieben Frau gegenüber der Stadthalle Krone. Der Kirchenbau wurde in einer lateinischen Urkunde vom Jahre 1293 erstmals als Marienkirche erwähnt. Der erste Geistliche soll jedoch bereits 1240 in dieser gewirkt haben. Das Gotteshaus wurde 1431 durch die Hussiten zerstört und 1458 wieder errichtet. Durch mehrere Brände (1486/1620/1634) vernichtet, wurde die Liebfrauenkirche immer wieder aufgebaut und umgestaltet. Im Jahr 1649 nahm die Kirche die sorbisch-katholische Gemeinde auf, nachdem im Jahr 1620 die Nikolaikirche vollständig zerstört wurde. Durch die Feuersbrunst in der östlichen Vorstadt am 4. Juli 1686 vollständig zerstört, wurde die Liebfrauenkirche nach ihrem erweiterten Aufbau im November 1691 endlich vollendet. Seit dieser Zeit dient sie bis heute als Pfarrkirche der sorbisch-katholischen Bevölkerung der Stadt Bautzen und des unmittelbaren Umlands. Ab dem Jahr 1984 hatte die Liebfrauenkirche keine eigenständige Pfarrei mehr und gehört seit dem zur Dompfarrei St. Petri. Noch heute sind hin und wieder Kirchgängerinnen in der sorbisch-katholischen Trachten zu sehen. Besonderer Höhepunkt ist alljährlich der 1. Osterfeiertag, an welchem sich die sorbische Osterreiterprozession von der Kirche Unserer Lieben Frau nach Radibor (Radwor) begibt, um die Auferstehung Jesu Christi zu verkünden. Das Steinkreuz links neben der Kirchentür soll angeblich an den Dominikanermönch Johann Tetzel (1460-1519) erinnern, welcher im Jahre 1508 in Bautzen den Ablasshandel betrieben haben soll.

Maria und Martha Kirche

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Die größte allein protestantische Kirche der evangelisch-lutherischen Kirchgemeinde St. Petri ist die Maria-und-Martha-Kirche auf dem August-Bebel-Platz (ehem. Albertplatz). Ursprünglich stand die Maria-und-Martha-Kirche unterhalb der Liebfrauenkirche an der Steinstraße. Heute befindet dort das Bürohaus der Deutschen Rentenversicherung. Das Gotteshaus wurde 1364 zum ersten Mal erwähnt und war ursprünglich für die Kranken (auch an Lepra Erkrankten) des Hospitals, welches zur Kirche „Unserer Lieben Frau“ gehörte, bestimmt. Daher wurde die Kirche auch in frühester Zeit als „capella circa leprosos extra muros" (Leprosenkapelle) vor den Stadtmauern bezeichnet. Man findet sie in den Urkunden der Stadt auch unter dem Namen „Kapelle St. Martha und Maria Magdalena". Diese wurde mehrfach durch Kriegseinwirkungen und Brände völlig zerstört (1431/1486/1620/1634/1686). Nach ihrem Wiederaufbau 1694 diente sie als „Katechismuskirchlein" für Katechismus-Prüfungen der Stadtkinder. Die Bautzener Garnison nutzte diese ab dem Jahre 1734 bis zu ihrem Abbruch im April 1899, deshalb bekam sie auch die Bezeichnung „Garnisonskirche“. Durch die immer größere Baufälligkeit der Garnisonskirche, war es der Wunsch der evangelischen Bürgerschaft (1845) ein neues Kirchengebäude zu besitzen. Die Grundsteinlegung für die Maria-und-Martha-Kirche auf dem Albertplatz erfolgte jedoch erst zum Reformationsfest 1888. Der Neubau der Katechismus- und Garnisonskirche im neogotischen Stil nach Plänen des Dresdner Architekten Christian Schramm (1857-1922) wurde durch Spenden und Sammlungen finanziert und wurde im Jahr 1891 vollendet. Die Neugestaltung des Altarraums erfolgte 1971. Nach einem Sturmschaden 1975 wurde der Turm der Kirche vereinfacht und die Kirche bis 1978 umfassend restauriert. Die im Gotteshaus befindliche Bautzener Eule-Orgel mit 2.691 Pfeifen konnte 1985 eingeweiht werden. Heute ist die Maria- und Martha-Kirche durch verschiedenste Konzertveranstaltungen, auch mit sorbischer Konzertliteratur weit über die Landkreisgrenzen bekannt. Sowohl das Deutsch-Sorbische Volkstheater (Němsko-Serbske ludowe dźiwadło) als auch das Sorbische National-Ensemble (Serbski ludowy ansambl) waren hier schon mit Aufführungen zu Gast.

Michaeliskirche

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Die Michaeliskirche gehört gemeinsam mit der Alten Wasserkunst zu einer der bekanntesten Stadtsilhouetten der Stadt Bautzen, die zugleich eines der am häufigsten verwendeten Fotomotive der Tourismuswerbung für die Stadt Bautzen darstellt. Der Legende nach soll im Oktober 1429 an dieser Stelle des Eselsberges während der Belagerung der Stadt durch die Hussiten der Erzengel Gabriel am Himmel erschienen sein, um die Angriffe der Hussiten mit abzuwehren. Zum Dank wurde durch die Bürger die Kapelle „St. Michael“ errichtet (1473 erstmalige Erwähnung). Nach Fertigstellung der Erweiterungsbauten wurde um 1520 das Gotteshaus zur „Michaeliskirche“. Nach dem fast 99 Jahre lang in der Kirche keine Gottesdienste mehr abgehalten wurden, gelang es dem Stadtrat und den Oberlausitzer Landständen, zur Zeit als Bautzen zu Böhmen gehörte, diese den evangelischen Sorben in und um Bautzen zur Verfügung zu stellen. Vor der Reformation waren die Sorben auf Anordnung des Domstifts in der katholischen Nikolaikirche eingepfarrt, d. h. für Predigten und Taufen musste diese in Anspruch genommen werden. Einen eigenen angeschlossenen Friedhof gab es nicht, da der Platz zwischen Kirche und Alter Wasserkunst Teil einer wichtigen Verkehrsverbindung – vom Spreetal zur oben gelegenen Altstadt – war. Aus dem 17. Jahrhundert stammt auch die noch heute gültige protestantische Gemeindestruktur Bautzens, die deutsche Stadtgemeinde St. Petri und sorbische Landgemeinde St. Michael. Jedoch nahm der Gebrauch der sorbischen Sprache seit 1836 beständig ab. Heute kann man einmal im Monat den Gottesdienst in sorbischer Sprache besuchen. Zahlreiche Veranstaltungen in sorbischer und deutscher Sprache bereichern das kulturelle Angebot der Stadt.

Michaelisschule

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Der Baubeginn des Pfarrhaus St. Michael ist auf das Jahr 1802 zurückzudatieren. Das als Kirchschule und Wohnung des Diakons genutzte Gebäude wurde 1945 durch die SS abgebrannt. Der Wiederaufbau erfolgte in den Jahren 1945 bis 1951. Nach der Fertigstellung wird es bis heute als Pfarrwohnung und Gemeindezentrum durch die Kirchgemeinde genutzt. Die Michaelisschule wurde 1804 für die evangelischen Sorben der Stadt gegründet. Die Initiative für die Gründung hatten der Bürgermeister Hartmann als auch die sorbischen Geistlichen, Pfarrer Michael Hilbenz und Diakon Johann Andreas Kappler, die an der Michaeliskirche wirkten. Bereits seit 1802 bemühten sie sich um den Bau der Schule. Dank großzügiger Spenden wohlhabender sorbischer Bürger der Stadt, der Kirchgemeinde St. Michael, weiterer Schulförderer und der Stadt selbst, konnte die Schule 1804 fertiggestellt werden. Die evangelische Michaelisschule, gegenüber der Michaeliskirche am Wendischen Kirchhof gelegen, war die zweite sorbische Schule in Bautzen. Da es zu dieser Zeit keine fest umrissenen Schulbezirke gab, konnten die sorbischen Kinder Bautzens sowie der Seidau als auch der umliegenden Dörfer, für die die Stadt Bautzen Gerichtsherr war, die Schule besuchen. Der Anfangsunterricht wurde in sorbischer Sprache gegeben, da die deutschen Sprachkenntnisse der Schüler sehr gering waren. Obwohl der Anteil der Sorben stets höher gegenüber dem Anteil der Deutschen war, gab es in den Folgejahren seitens der Schulräte der Stadt Bestrebungen, den sorbischsprachigen zugunsten des deutschsprachigen Unterrichts einzuschränken. Zu Anfang des 20. Jahrhunderts galt die Bildungsstätte als eine wendisch-deutsche Schule, ebenso wie die Kirchgemeinde als gemischtsprachige eingestuft wurde.

Millenniumsdenkmal

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Unweit der ehemaligen Via Regia (Hohe Straße) wurde ein Denkmal zu Ehren von Kyrill (ursprünglich Konstantin) und Method errichtet. Die byzantinischen Gelehrten und Priester Kyrill und Method, aus Thessaloniki im damaligen oströmischen Reich stammend, sind die christlichen Missionare der slawischen Völker im 9. Jahrhundert. Daher werden sie auch als „Slawenapostel“ bezeichnet. Das glagolitische Alphabet wurde durch Kyrill entwickelt (um 863), da das griechische Alphabet für die slawischen Sprachen nur wenig nutzbar war. Der größte Verdienst der beiden Brüder liegt in der Betonung der slawischen Muttersprache und der kulturellen Eigenständigkeit der slawischen Völker. Der bereits 1862 gegründete Verein der katholischen Sorben, der Cyrill-Methodius-Verein trägt den Namen der beiden „Slawenapostel“. Die Gründung der Vereinigung durch den Pfarrer Michał Hórnik und seine Gleichgesinnten inspirierte die cyrillo-methodianische Bewegung bei den katholischen Tschechen, die 1862 im mährischen Velehrad den 1000. Jahrestag der Ankunft der Slawenapostel Cyrill und Method im Großmährischen Reich feierten. Damals glaubte man, dass die mährische Mission bis in die Lausitz reichte und die Sorben somit durch Cyrill und Method zum Christentum gekommen seien. Obwohl sich die katholischen Sorben als Teil der großen christlichen slawischen Völkerfamilie fühlten, wurden sie,wie es sich später herausstellte, durch das Bistum Meißen missioniert. An der Cyrill-und-Methodius-Verehrung hielten die katholischen Sorben jedoch fest und unterstrichen damit die Verbundenheit mit den anderen slawischen Völkern. Der Verein errichtete im Jahr 2000 das sogenannte Millenniumsdenkmal, welches die beiden Brüder zeigt und an die Menschwerdung Gottes durch die Geburt Jesu Christi vor zweitausend Jahren in Betlehem in Palästina gedenkt. Den künstlerischen Entwurf schuf Kunstbildhauer Dobrosław Bagiński aus Lublin (Polen). An größeren Andachten und Gebetsgottesdiensten (auch in sorbischer Sprache) kann man hier am Denkmal teilnehmen. An dieser Stelle wurde auch das Kreuz des Weltjugendtreffens übergeben. Am Ostersonntag zieht die Bautzener sorbische Osterreiterprozession hier in Richtung Radibor vorbei, um die Auferstehung Jesu Christi zu verkünden.

Monse Verlagshaus

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Die Lauenstraße, erstmals 1375 als „platea Leonum” (Löwengasse) erwähnt, hieß bis 1399 Lawyngasse und 1435 Lawengasse. Der Löwe im böhmischen Wappen, welcher über dem Lauentor angebracht war und sich am Lauenturm befand, gab ihr den Namen. Nach dem Stadtbrand, in den Jahren 1720 bis 1740 wurden die Gebäude im Barock in geschlossener dreigeschossiger Bauweise neu errichtet. Die Westseite gehört zu den repräsentativsten und schönsten Fassadenzügen Bautzens. Das Haus Nr. 10 entstand in seiner heutigen Form nach 1820 im spätklassizistischen Stil. Der klassische Buchdruck in Bautzen wurde 1554 vom Leipziger Buchdrucker Nikolaus Wohlrab mit der Errichtung der ersten Bautzener Druckerei begründet. Zum Standort des ersten Druckhauses gibt es keine gesicherten Quellen. Im Jahr 1574 fertigte er das erste gedruckte Buch in sorbischer Sprache. Es beinhaltet eine Sammlung niedersorbischer Kirchenlieder sowie Luthers „Kleinen Katechismus“. Die Buchdruckerei wurde nach 1600 von verschiedenen Druckern weitergeführt. Georg Gotthold Monse (1751-1811) übernahm den Betrieb von Johanne Eleonore Scholze im Jahr 1786 und gründete sein Verlagshaus. Nach 1793 war die Buchdruckerei im Wohn- und Geschäftshaus Nr. 4 angesiedelt. Monse verlegte auch die „Budissinischen Wöchentlichen Nachrichten“. Mehr als 70 Druckschriften belegen Bautzens Bedeutung im Druckereigewerbe. Von 1948 bis 1960 befand sich in dem Gebäude mit dem schönen Mittelrisalit und dem reichen Kartuschenschmuck die Verwaltung des Sorbischen Volkstheaters. Ab 1961 war die Abteilung für pädagogische Literatur des Domowina-Verlages hier untergebracht.

Nikolaikirche und Nikolaifriedhof

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An die Sankt-Nikolai-Kirche erinnert die noch heute zu besichtigende Ruine mit einer kleinen integrierten Kapelle und dem Nikolaifriedhof an den einstigen Kirchenbau. Man erreicht die Kirchenruine von der Schlossstraße durch die düstere spitzbogige Nikolaipforte. In den Schlussstein des Torbogens des alten, viereckigen Unterbaus ist vermutlich der sagenhafte Kopf des Verräters Preischwitz gehauen. Andere Quellen sprechen von einem Abbild des Heiligen Nicolaus. Linker Hand befindet sich der Nikolaifriedhof. Im Jahr 1407 hatte der Bautzener Ratsherr Hermann Uhna seinen am felsigen Nordhang der Stadt gelegenen Weinberg zum Zweck des Anlegens eines Kirchhofs dem Domstift St. Petri geschenkt. Zur selben Zeit wurde auch die dem heiligen Nicolaus und der heiligen Barbara geweihte Kapelle gegründet. Diese wurde zur Zeit der Belagerung durch die Hussiten zerstört und schon 1431 wieder aufgebaut. In den Jahren 1467 bzw. 1476 wurden weitere bauliche Maßnahmen an der Kirche vorgenommen, so z. B. die Wölbung des Chores und der innere Ausbau. Die zur Stadt zugehörigen Dorfgemeinden mit überwiegend sorbischer Bevölkerung nutzten diese als Parochialkirche seit Mitte des 16. Jahrhunderts. Durch die Vertreibung des kleineren katholischen Teils der sorbischen Einwohner Bautzens aus der St. Petrikirche um 1619, wurde die Nikolaikirche nun ausschließlich durch diese für Gottesdienste genutzt. Die evangelischen Sorben wurden ab diesem Zeitpunkt in der Michaeliskirche aufgenommen. Die Nikolaikirche wurde im Dreißigjährigen Krieg (1620 und 1634) restlos zerstört. Seit dem fand die sorbisch-katholische Gemeinde in der Kirche Unserer Lieben Frau ihre Heimstätte. Das Innere der Ruine wurde ab 1745 für Gräber genutzt. Sehenswert sind auch die Bischofsgräber, welche sich außen an der Kapelle befinden. Auf dem Friedhof fanden auch verdienstvolle sorbische Persönlichkeiten ihre letzte Ruhestätte, so u.a. Michał Hórnik, Dr. Filip Rězak, Michał Róla, Michał Nawka, Anton Nawka, Marja Młynkowa, Dr. Jurij Młynk, Jan Krawc, Jurij Wuješ und Jan Bulank. Eine besondere Sehenswürdigkeit ist auch der zwischen Kirche und Stadtmauer angelegte Wehrgang. Von hier aus hat man einen einzigartigen Blick auf die im Spreetal befindliche Seidau, einer früheren sorbischen Siedlung, als auch auf den gegenüberliegenden Protschenberg (mit der Friedhofskapelle. Dort wurde durch die slawischen Stämme bereits vor der deutschen Besiedlung ein Burgwall errichtet.

Ortenburg

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Der Ausgangspunkt für die Besiedlung Bautzens liegt Jahrhunderte vor der Ersterwähnung „civitas Budusin“ zurück. Etwa im 7. Jahrhundert begannen slawische Siedler vom Stamm der Milzener eine Wallburg auf dem Granitplateau, welches sich etwa 15 m bis 20 m über der Spree erhebt und nach Norden, Süden und Westen steil abfällt, zu errichten. Nach Südosten wurde die Burg durch Mauern geschützt. Dabei wurde die sich im engen Tal windende Spree als natürlicher Burggraben zum Schutz genutzt. Vor der Jahrtausendwende wurden nach dem großen Aufstand der slawischen Stämme auch die Milzener im Jahr 990 durch die Heere Otto I. unterworfen und als Gau Milsca dem Deutschen Reich zugeordnet. Zeitgleich mit der militärischen Unterwerfung begann die Christianisierung der Slawen. Die Ortenburg wurde zur deutschen Grenzburg mit dem Namen „huys czu Budissin“. Hier kreuzten sich die wichtigen Handelsstraßen von Halle nach Breslau und von Prag nach Brandenburg. In der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts trotzte die Burg „Ortenbergk“ der Belagerung durch die Hussiten. Durch Brände wurden bis zur Jahrtausendwende die ältesten Bauteile vernichtet. Der Neubau auf Initiative des ungarischen Königs Matthias Corvinus wurde im Dreißigjährigen Krieg stark beschädigt. Aus- und Umbauten begannen in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts und dauerten bis ins 21. Jahrhundert. Dies spiegelt auch das Gebäudeensemble der Ortenburg wider, u. a.: Das Hauptgebäude – das Schloss ist im Kern spätgotisch (1483-1486) und hat einen Audienzsaal (1622). Die Stuckdecke des Saales, eine italienische Arbeit, zeigt in neun Feldern die Höhepunkte der Oberlausitzer Geschichte. Das Schloss ist nach dem Abschluss umfangreicher Sanierungsarbeiten seit April 2002 Sitz des Sächsischen Oberverwaltungsgerichts. Der Stucksaal wird hin und wieder für Konzerte genutzt. Die Öffentlichkeit wird zum „Tag des offenen Denkmals“ und zu Ausstellungen sorbischer und deutscher Künstler in das Verwaltungsgebäude eingeladen. Im ehemaligen als Magazin gebauten Salzhaus (1782) hat seit 1976 das Sorbische Museum sein Domizil. Als Nationalmuseum der Sorben hat es sich zum beliebten Treffpunkt der Bautzener und ihrer Gäste entwickelt. Das Gebäudeensemble wir durch den modernen Bau des im Jahr 2003 eröffneten Burgtheaters bereichert. Eine weitere Besonderheit auf dem Hof der Ortenburg ist die vor der Fassade hinter Glas stehende Figurengruppe des Rietschelgiebels, welche bereits am 1841 gebauten Dresdner Hoftheater und später im Giebel des Bautzener Stadttheaters zu sehen war. In den Sommermonaten erleben Tausende Besucher die jährlichen Sommertheaterinszenierungen, die sich zu einem über die Landkreisgrenzen bekannten Spektakel entwickelt haben. Alle zwei Jahre wird das Internationale Folklorefestival „Łužica“ mit der Auftaktveranstaltung im Ortenburghof eröffnet.

Protschenberg

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„Wie du mich haben willst, Budissin / seh ich dich nicht, hörst du mich nicht, / du drüben, ich hüben / mitten der Abgrund.“ (Kito Lorenc) Kito Lorenc, einer der bedeutendsten sorbischen Schriftsteller, findet mit diesen Worten treffend den Blick vom Protschenberg auf die geschichtsträchtige Stadt Bautzen. Die gegenüberliegende Altstadt, mit der Ruine der Nikolaikirche, der Ortenburg, der Friedensbrücke und dem Stadtteil Seidau sind ein beliebtes Fotomotiv. Schon viele Jahrhunderte v.u.Z. spielte der Protschenberg eine Rolle in der Besiedlungsgeschichte der Region. Kurz nach 600 u.Z. wanderten die Slawen, u. a. auch der slawische Stamm der Milzener, welcher als einer der Ahnen der noch heute lebenden Sorben dargestellt wird, ins Lausitzer Land ein. Die aus dem 9. Jahrhundert stammenden zahlreichen Burgwälle zeugen von der Aufgliederung des Siedlungsgebietes und entwickelten sich auch zu wirtschaftlichen, politischen und kultischen Zentren kleiner Gebiete. Der Protschenberg ist Teil des im Westen der Stadt ca. 15 m bis 20 m über der Spree ragenden Granitsockels. Die darauf aufgebaute Wallburg diente der Bewachung des Zugangs zur Hauptburg auf der gegenüberliegenden Spreeseite. Der etwa 300 m lange erhaltene Burgwall ist durch die sich dort befindende Friedhofsanlage teilweise nicht mehr deutlich sichtbar. Auf dem Friedhof befindet sich die Grabstätte des am 03. März 1816 in Merzdorf bei Uhyst geborenen Johann Ernst Schmaler (Jan Arnošt Smoler), der am 13. Juni 1884 in Bautzen verstorben ist. Er gehörte zu den bedeutendsten Repräsentanten der nationalen Wiedergeburt der Sorben im 19. Jahrhundert. Zugleich ist er als sorbischer Philologe, Schriftsteller und Verleger weit über die Grenzen der Oberlausitz bekannt. Die von der Domowina-Verlag GmbH in Bautzen wiedergegründete Verlagsbuchhandlung und der Bautzener Regionalverband der Domowina – Bund Lausitzer Sorben tragen seinen Namen. Zu seinem Gedenken wurde ein Denkmal an der Kreuzung Steinstraße / Wallstraße errichtet. Jährlich am Ostersonntag kann man neben dem traditionellen Ostereierschieben auch Programmbeiträge des Deutsch-Sorbischen Volkstheaters und des Sorbischen National-Ensembles auf dem Protschenberg erleben.

Seidau

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Die Seidau, ein Stadtteil von Bautzen, befindet sich vorwiegend linksseitig der Spree (entlang der heutigen Seidauer Straße und der Straße Unterm Schloss) und des Jordanbaches (entlang der heutigen Salzenforster Straße). Sie liegt umgeben mit dem Protschenberg, dem Windmühlenberg (im Westen) sowie dem Steinberg (im Nordosten) direkt im Spreetal. Die ehemalige Ratsmühle, unterhalb der Mühlbastei und der Altstadt, begrenzt das ehemalige Dorf im Süden. Die Herkunft des Namens Seidau ist umstritten. Ernst Mucke interpretierte den Ortsnamen aus dem sorbischen Wort žid (Jude) oder auch von žida (Seide), dies geschah jedoch ohne eine belegbare historische Grundlage. Die Leipziger Professoren Ernst Heinrich Eichler (1930-2012) und Hans Rudolf Walther (1921-2015) führen die Bedeutung des Namens vielmehr auf den altslawischen Ursprung: žid (flüssig) zurück und nehmen die territoriale Lage der Seidau in der sumpfigen Talaue zwischen Spree und der Einmündung des Jordanbaches zum Ausgangspunkt der Namensgebung. Der Ursprung des Bautzener Stadtteils Seidau ist wahrscheinlich auf das Bestehen des slawischen Fischerdorfes im 10. Jahrhundert zurückzudatieren. Gelegen an der Via Regia (der Hohen Straße) an der Furt durch die Spree siedelten hier Fischer neben anderen Dienstleuten und Handwerkern. Zahlreiche slawische Funde aus dem 11. und 12. Jahrhundert belegen dies. Als Dorf mit dem dazugehörenden Ortsteil Schmole wurde es aus zwei Landgemeinden (landvogteilicher und landeshauptmannschaftlicher Anteil) im Jahre 1881 zu einer Landgemeinde vereinigt. Bis zum Ende des 19. / Anfang des 20. Jahrhunderts betrug der Anteil der sorbischen Bevölkerung noch 75 Prozent. Zu dieser gehörten historisch bedeutsame sorbische Persönlichkeiten, wie u. a. Johann Ernst Schmaler, sorbischer Philologe, Schriftsteller und Verleger, der über 20 Jahre in der Seidauer Straße 40 wohnte, sowie der sorbische Dichter und Schriftsteller Johann Wehle, welcher in der Seidau geboren wurde und hier von 1852 bis 1889 als erster Sorbischlehrer tätig war. Wie aus den Ratsakten zu entnehmen ist, wurde die zwangsweise Vereinigung der Seidau mit der Stadt Bautzen erst per Verordnung vom 3. November 1922 durch das Ministerium (nach einer Sitzung unter Leitung von Minister Lipinsky im Vorfeld) verfügt. Zu besonderen Anlässen (wie z. B. zum Tag des offenen Denkmals) kann man heute in der liebevoll restaurierten Hammermühle, direkt an der Seidauer Spreebrücke, auch Konzerte des Sorbischen National-Ensembles erleben.

Smoler´sche Verlagsbuchhandlung

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Im Gebäude Tuchmacherstraße 27 befindet sich seit 2006 auch die Smoler´sche Buchhandlung der Domowina Verlags-GmbH. Den Namen hat der Verlag traditionsverpflichtend wieder angenommen. Die Smoler´sche Buchhandlung wurde erstmals im 19. Jahrhundert als sorbische Buchhandlung in Bautzen erwähnt. Im Jahr 1851 hatte Jan Arnošt Smoler sein erstes Geschäft unter dem Reichentum eröffnet. Gemeinsam mit Bohuwěr Pjech erweiterte er sein Buchangebot um die slawische Literatur. Im 20. Jahrhundert siedelte die sorbisch-slawische Buchhandlung in das neue Domizil – das alte Sorbenhaus auf den Lauengraben um. Dort übernahm der sorbische Buchhändler Arnošt Simon die Aufgabe des weiteren Vertriebs und der Verbreitung des sorbischen gedruckten Wortes. Mit dem Verbot des Sorbischen im öffentlichen Leben durch die Nationalsozialisten 1937 wurde auch die Buchhandlung aufgelöst. Nach dem Krieg wurde sie zum ersten Mal auf der Kurt-Pchalek-Straße 20 im Jahr 1950 eröffnet, zog jedoch schon 1951 auf den Holzmarkt um. Später, bis Ende 1961, konnte die Buchhandlung die breite Palette der Verlagseditionen wieder im Gebäude auf der Kurt-Pchalek-Straße 20 anbieten. Nach der Klärung der Eigentumsverhältnisse und Abwendung der Insolvenz des Verlages konnte die Verlagsbuchhandlung wieder die angestammten Räume in der Pchalek-Straße beziehen. Aufgrund finanzieller Engpässe des Gesellschafters, der Stiftung für das sorbische Volk, entschied man sich, die Geschäftsräume in das Verlagshaus auf der Tuchmacherstraße 27, nach vorausgegangenen Aus- und Umbaumaßnahmen am Gebäude, zu verlegen, um die jährlichen Mietausgaben einzusparen. In der zweiten Jahreshälfte des Jahres 2006 konnten die Mitarbeiter der Smoler´schen Verlagsbuchhandlung nun in einem wesentlich besseren Umfeld ihre umfangreichen Aktivitäten entfalten. Heute ist dieses sorbische Buchgeschäft weit über die Grenzen der Lausitz bekannt, da es als einziges in der Bundesrepublik Deutschland das komplette verlegerische Sortiment des Verlages anbietet. Durch Autorenlesungen und Vorstellungen der neuen Editionen ist der Standort genauso bei den Bautzenern und Lesern aus der ganzen Lausitz beliebt.

Sorbisches National Ensemble

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Das bedeutendste Versammlungslokal der Bautzener Bürger, die Gaststätte „Bürgergarten“, welche im Jahr 1867 errichtet wurde, beherbergt seit 1952 das Sorbische National-Ensemble, welches als staatliches Ensemble für sorbische Volkskultur gegründet wurde. Aus dem Garten unmittelbar an der Friedensbrücke gelegen hat man einen einzigartigen Blick auf die Wahrzeichen der Stadt, die Alte Wasserkunst und die Michaeliskirche. Zum Gebäudeensemble gehört die Röhrscheidtbastei, die auch Bastei an der Fischerpforte oder Lauenbastei genannt wird. Diese wurde 1469 zum Schutz der Fischerpforte erbaut. Der Name erinnert an den Baumeister Wenzel Röhrscheidt (1510–82). Die Bastei war seit 1952 Trachtenfundus des Ensembles. Heute ist das Gebäude eine zusätzliche Veranstaltungsstätte und zugleich Informationspunkt für die Besucher des Ensembles. Die Idee, ein professionelles Sorbisches Volkskunstensemble zu gründen, entstand bereits während dem ersten Sorbischen Volkstreffen 1950 in Bautzen, auf welchem 500 Sänger/innen und 400 Tanzpaare aus vielen sorbischen Kulturgruppen die Vielfalt der sorbischen Volkskultur in Lied und Tanz vorstellten. Das Vorhaben, das sorbische klassische und volkskünstlerische Erbe im In- und Ausland professionell zu präsentieren, wurde nach Auftritten zu den III. Weltfestspielen der Jugend und Studenten in Berlin durch die Domowina und durch die Regierung der DDR unterstützt. Seit Anfang 1952 suchte der zukünftige erste Direktor Jurij Winar nach geeigneten sorbischen Talenten, die willens waren, sich für eine berufliche Tätigkeit als Künstler zu entscheiden. Nach einem Vierteljahr hatte er eine genügende Anzahl von Sängern und Tänzern gefunden, um mit den ersten Proben beginnen zu können. Seit diesem Jahr begeistert das staatliche Ensemble für sorbische Volkskultur (1990 wurde es in Sorbisches National-Ensemble umbenannt) mit der professionellen folkloristischen Bühnenkunst Zuschauer auf vier Kontinenten der Welt. Mehr als 30 Jahre sorgten Handrij Ziesch als Intendant, Jan Bulank als Komponist und musikalischer Oberleiter sowie Juraj Kubańka als Choreograf für die Professionalität des Ensembles. Das Programmangebot reicht von musikalischen Produktionen für Kinder bis hin zu Ballettopern, Oratorienaufführungen und Sinfoniekonzerten. Bis zur politischen Wende war das Sorbische National-Ensemble in der Trägerschaft des Ministeriums für Kultur der DDR, danach des Freistaates Sachsen. 1996 wurde das Sorbische National-Ensemble durch den Freistaat Sachsen in die privatrechtliche Form einer GmbH überführt, deren alleiniger Gesellschafter die Stiftung für das sorbische Volk ist.

Sorbische Schule am Wendischen Graben

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Gegenüber der Stadthalle „Krone“ sehen Sie auf dem Wendischen Graben 1 die heutige Kinder- und Jugendbibliothek in Bautzen. Dies war einst das Gebäude der ehemaligen Sorbischen Schule, in welcher seit September 1948 für 25 Jahre sorbische Schüler unterrichtet wurden. Jan Handrick wurde 1949 erster Schulleiter, der 1952 durch Ernst Sobe abgelöst wurde. Am längsten leitete Franz Wenke die sorbisch-sprachige Schule in Bautzen. Zuvor war die Sorbische Grundschule in Bautzen seit dem 15. Oktober 1946 ein besonderer Abzweig der Pestalozzi-Schule. Jan Krautz leitete dort das Lehrerkollegium, in welchem u. a. Ludmila Holanec, Hańža Rachelic (später Bjeńšowa) und Jan Suchy die 120 Schüler in vier Klassen unterrichteten. Dank dem sorbischen Landrat Paul Nedo zog die neu gegründete Sorbische Oberschule im Herbst 1947 in eigene Räume auf die Kurt-Pchalek-Straße in das Gebäude der damaligen Handelsschule um. Im Jahr 1957 wurde mit Einführung der 9. und 10. Klassen aus der Sorbischen Grundschule die Sorbische Mittelschule. Zu einem späteren Zeitpunkt wurde diese durch das sozialistische Schulsystem zur Sorbischen polytechnischen Oberschule. Schon bald reichte die Platzkapazität der Schule auf dem Lauengraben nicht mehr aus, da die Anzahl der Klassen auf 20 mit fast 500 Schülern gewachsen war. Daher wurde bereits seit Ende der 50-iger Jahre über einen Schulneubau nachgedacht. Jedoch wurde dies erst am 3. September 1973 zur Realität. Auf dem Platz des Friedens, dem heutigen Schützenplatz, wurde die Sorbische polytechnische Oberschule und die Sorbische erweiterte Oberschule (zuvor in Radibor und Kleinwelka) mit dem Namen „Hermann Matern“ untergebracht. Erstmals hatten die sorbischsprachigen Schüler die Möglichkeit, von der 1. bis zur 12. Klasse (Abiturstufe) in einem Schulgebäude unterrichtet zu werden. Im ehemaligen Gebäude des Sorbischen Lehrerbildungsinstituts „Karl Jannack“ auf der Friedrich-List-Straße 8 haben die Schüler seit 2008 die Möglichkeit, in einem modernen Sorbischen Schul- und Begegnungszentrum die sorbische Sprache bis zur Abiturstufe zu erlernen bzw. zu vervollkommnen. Im Jahr 2016 konnte das selbständige sorbische Schulwesen auf eine 70-jährige Geschichte zurückblicken.

Sorbische Zeitung

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Das Gebäude des Domowina-Verlages auf der Tuchmacherstraße 27 ist neben dem Sitz der Domowina Verlags GmbH zugleich Sitz der Redaktion der sorbischen Zeitung "Serbske Nowiny". Diese führt die Tradition des sorbischen Pressewesens, welches sich erst seit Ende des 18. Jahrhunderts herausbildete, fort. Die erste sorbischsprachige Zeitung wurde 1790 durch die beiden Aufklärer-Theologen J. A. Janka und K. B. Šěrach mit dem Titel Monatsschrift zur Unterweisung und Belehrung (Měsačne pismo k rozwučenju a powučenju) herausgegeben. Nach der ersten Ausgabe wurde dieses Monatsblatt jedoch durch den Zensor verboten. Ein kontinuierliches Erscheinen eines sorbischen Presseerzeugnisses gelang J. B. Dejka, einem Bautzener Zimmermann, erst zwanzig Jahre später. Die Zeitung „Der sorbische Erzähler und Kurier“ (Serbski powědar a kurěr) vermittelte bis 1812 politische Nachrichten, nationales Bewusstsein weckendes und förderndes Aufklärungsgut. Da er von seinen sorbischen Landsleuten wenig unterstützt wurde, erschienen nach dieser ersten Periode der sorbischen Pressegeschichte erst ab Januar 1842 wieder sorbische Zeitungen und Presseerzeugnisse. J. P. Jordan verlegte das Wochenblatt „Morgensternchen“ (Jutnička), welches noch im selben Jahr durch die Wochenzeitung (Tydźenska Nowina) ersetzt wurde. Redakteur dieser Wochenzeitung war der Dichter Handrij Zejler. Im Jahr 1854 erschien die erste Ausgabe der Sorbischen Zeitung. Ein beachtlicher Aufschwung der sorbischen Presse ist jedoch erst in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts zu verzeichnen. Die progressiven Kräfte erkämpften sich 1920 das Recht, die Sorbische Zeitung als Tageszeitung herauszugeben. 1923 hatte dieses sorbische Presseerzeugnis mit 6000 Abonnenten die höchste Auflage. Nach der Übernahme der genossenschaftlichen Smolerschen Druckerei in den Privatbesitz von Jan Cyž erschien die Tageszeitung noch bis 1937. Dort erfolgte das totale Verbot des gedruckten sorbischen Wortes durch die Nationalsozialisten. Die erste Ausgabe einer sorbischen Zeitung nach dem 2. Weltkrieg erschien am 06. Juli 1947, als Organ des Bundesvorstandes der Domowina mit dem Namen "Nowa Doba". Die Erlaubnis als Tageszeitung zu erscheinen, billigte das SED – Regime erst im Oktober 1955. Nach den politischen Veränderungen von 1989 und der dadurch erlangten Pressefreiheit nahm die Zeitung wieder den alten Namen "Serbske Nowiny" an, um so an die demokratischen Traditionen der Pressearbeit anzuknüpfen. Sie wird vom Domowina-Verlag verlegt und über den Vertrieb des Verlages verbreitet. Derzeit hat die Zeitung ca. 2.000 Abonnenten und erscheint 5-mal wöchentlich als Abendblatt mit einer deutschsprachigen Monatsausgabe.

Sorbisches Institut

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Der Sitz des heute von der Stiftung für das sorbische Volk institutionell geförderten Sorbischen Instituts e. V. befindet sich in der Bahnhofstr. 6 in Bautzen. Das Bautzener Institut wurde 1951 als Institut für sorbische Volksforschung, welches von 1952 bis 1991 zur Deutschen Akademie der Wissenschaften (ab 1972: Akademie der Wissenschaften der DDR) in Berlin gehörte, gegründet. Literaturhistoriker und Volkskundler Paul Nowotny (1912-2010) leitete das Institut von 1951 bis 1976. Im Zuge der politischen Wende von 1989/90 gab es unterschiedliche Positionen zur weiteren Existenz der Einrichtung. Die durch die Mitarbeiter unterbreitete und durch den Wissenschaftsrat im Juli 1991 als positiv bewertete „Konzeption zur Reorganisation und Weiterführung“ der Einrichtung war zukunftsweisend und sicherte den Erhalt „als selbständiges Forschungsinstitut besonderer Art“. Die Empfehlung des Wissenschaftsrates enthielt die Forderung das Sorbische Kulturarchiv und die Sorbische Zentralbibliothek in die Obhut des Instituts zu übergeben, zu welcher auch wertvolle Restbestände der sorbischen Wissenschaftsgesellschaft "Maćica Serbska" und bedeutender sorbischer Kulturschaffender gehörten. Das Institut in seiner heutigen Form wurde vom Freistaat Sachsen gemeinsam mit dem Land Brandenburg in die privatrechtliche Organisationsform eines eingetragenen Vereins zum 1. Januar 1992 überführt. Als Direktor war von 1992 bis 2014 Prof. Dr. Dietrich Scholze-Šołta für die Erfüllung der satzungsgemäßen Aufgaben verantwortlich. Hauptaufgaben sind die Erforschung und Pflege der sorbischen Sprache, Geschichte und Kultur, die Sammlung sowie Archivierung der dazu notwendigen Unterlagen, um aktiv zur Bewahrung und weiteren Entwicklung von sorbischer Sprache und Kultur in der Ober- und Niederlausitz beizutragen. Die weitergehende Aufgabe besteht in der Unterstützung der ehrenamtlichen Kräfte in den sorbischen Vereinen, sowie der in Politik, Schulen, Kulturinstitutionen, Medien und der Satzung entsprechend wirkenden Sorben und Deutschen. Veröffentlichungen der Wissenschaftler sind in einschlägigen nationalen und internationalen Publikationen und in den institutseigenen Schriftenreihen (Spisy Serbskeho instituta) und in der Jahresschrift Lětopis, die durch die Domowina-Verlag GmbH herausgegeben werden, zu finden. Seit seiner Gründung hat das Sorbische Institut enge Arbeitskontakte zu anderen wissenschaftlichen Einrichtungen des In- und Auslandes. Lehraufträge an verschiedenen Universitäten und Hochschulen gehören genauso zu den Arbeitsaufgaben wie die Gastgeberrolle zur im Zweijahresturnus stattfindenden internationalen Sommerschule für sorbische Sprache und Kultur.

Sorbisches Museum

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Zum Gebäudeensemble der Ortenburg gehört auch das nach dem Vorgängerbau von 1782 so genannte Salzhaus, welches heute das Sorbische Museum beherbergt. 1869 wurde es so umgebaut, wie es heute noch von außen zu sehen ist. Bis 1834 wurde in der Salzschanke Salz gelagert und verkauft. Ab 1835 war dieses Haus Sitz des Königlich-Sächsischen Appellationsgerichtes und des Königlichen Kreisamtes. In der Zeit des Nationalsozialismus nutzte die Gestapo das Bauwerk. Nach dem Zweiten Weltkrieg diente es teilweise als Wohngebäude. Seit 1974 fand das Sorbische Museum hier sein ständiges Domizil. Nach Beendigung mehrfacher umfassender Sanierung des Gebäudes finden im klassizistischen Festsaal, dem ehemaligen Verhandlungsraum, regelmäßig unterschiedliche Veranstaltungen statt. Im Jahr 1856 wurde durch die Altertumsabteilung der sorbischen Wissenschaftsgesellschaft Maćica Serbska der Grundstock der Sammlung mit archäologischen Artefakten und Sprachdenkmälern angelegt. Hierbei ist besonders der Verdienst von Arnošt Muka hervorzuheben, welcher anlässlich der Ausstellung des sächsischen Handwerks und Kunstgewerbes 1896 in Dresden die Erweiterung der ursprünglichen Sammlung um die volkskundlichen Exponate initiierte. Der europäische Trend der Gründung von Nationalmuseen um die Jahrhundertwende beflügelte auch die Einrichtung eines sorbischen Museums, welches bereits ab 1900 vor der Eröffnung des Wendischen Hauses die ersten Besucher empfing. Die Eröffnung des Wendischen Hauses erfolgte 1904. Das Wendische Museum wurde 1941 durch die Nationalsozialisten aufgelöst und die Bestände konfisziert. Der überwiegende Teil der Ausstellungsexponate ging in den Bestand des Stadtmuseums Bautzen über. 1957 wurde in Hoyerswerda das Museum für sorbische Volkskunde gegründet. Erst im Jahr 1971 wurde das Museum nach Bautzen zurückverlegt, wo es 1973 bis 1987 dem Stadtmuseum Bautzen zugeordnet war. Mit seinen mehr als 35.000 inventarisierten Objekten konnte die Institution eine selbständige Ausstellung konzipieren. Heute erwarten den Besucher auf drei Etagen mit ca. 1000 m2 Ausstellungsfläche Themenbereiche zur sorbischen Geschichte, der bildenden Kunst, Volkskunst, den Trachten und Traditionen sowie der Literatur. Dabei orientiert sich das Konzept der Dauerausstellung am Geschichtsfortlauf. Thematisch eigenständig hingegen ist der Bereich der bildenden Kunst. Die Kunstsammlung beherbergt Nachlässe vieler namhafter sorbischer Künstler. In den Sonderausstellungen werden zum einen besondere Themen der sorbischen Geschichte und Kultur gezeigt. Zum anderen bilden Ausstellungen zu ethnischen und sprachlichen Minderheiten ebenso einen Schwerpunkt, wie auch Kunstausstellungen. Entsprechend dem Selbstverständnis als Brückenbauer zwischen West- und Osteuropa finden die benachbarten slawischen Völker hierbei ein besonderes Interesse. Träger des Museums ist der Landkreis Bautzen. Das Sorbische Museum wird durch den Kulturraum Oberlausitz/Niederschlesien und die Stiftung für das sorbische Volk gefördert, die jährlich Zuwendungen des Bundes, des Freistaates Sachsen und des Landes Brandenburg erhält. Im Festsaal des Museums finden vielfältige Veranstaltungen und Konzerte statt, beispielsweise die bekannten Bautzener Kammerkonzerte. Das Sorbische Museum trägt mit seinen Ausstellungen und breitgefächerten Angeboten zur kulturellen Vielfalt der Stadt Bautzen bei.

Sorbisches Schul- und Begegnungszentrum

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Zwischen Muskauer- und Flinzstraße ist auf der Friedrich-List-Straße 8 (ehem. Stiftsstraße – ein Hinweis darauf, dass das ehem. Ackergelände einst dem Domstift gehörte) ab 1901 das neue Katholische Lehrerseminar erbaut worden. Zuvor war es im Klosterhaus An der Petri-Kirche 4 ansässig. Dieses wurde durch das Kloster Panschwitz-Kuckau errichtet und ging später in den Besitz des Domstifts über. Da im neuen Seminar neben der pädagogischen Ausbildung der katholischen Seminaristen auch auf die musikalische Ausbildung großer Wert gelegt wurde, erhielt das Seminar drei Orgeln. Das in der Aula eingebaute Instrument stammt aus der Werkstatt der Firma Jehmlich Dresden, eine der kleineren Orgeln hatte die Firma Herrmann Eule in Bautzen gebaut. Nach einem zweimonatigen Radikalumbau des neogotischen Gebäudes (1937) wurde in diesem durch die Reichsfinanzverwaltung eine Zollschule eröffnet. In den Kriegsjahren diente das Haus auch als Reservelazarett. Im April 1945 brannte das Gebäude vollständig aus. Beim Wiederaufbau wurde aus nicht mehr belegbaren Gründen auf dem Dach des Ostflügels eine Kuppel errichtet. Bis zu deren Umzug nach Kleinwelka und Radibor Anfang der 1960er Jahre diente das Gebäude zunächst als Sorbische erweiterte Oberschule. Aufgrund der leerstehenden Sternwarten-Kuppel veranlasste im Jahr 1956 die Stadtverwaltung den Umzug der Schulsternwarte in das Gebäude. Das Sorbische Institut für Lehrerbildung „Karl Jannack“ zog 1959 in das Gebäude ein. Dieses Institut bildete sorbischsprachige Erzieher und Lehrkräfte für das entstandene, durch den Staat geschützte, sorbische Schulnetz aus. Damit sollte der wachsende Bedarf an sorbischen Lehrkräften gedeckt werden. Die Einrichtung wurde 1991 aufgrund der Veränderungen im sächsischen Bildungssystem geschlossen. Nach dem Umzug vom Bautzener Schützenplatz im Jahr 1992 begann das Sorbische Gymnasium wieder an seiner angestammten Stelle mit dem Schulbetrieb. Nach erneutem Umbau im Jahr 2008 zog das moderne Sorbische Schul- und Begegnungszentrum in das Gebäude ein. Hier haben die Schüler die Möglichkeit, die sorbische Sprache von der Grundstufe bis zur Abiturstufe zu erlernen bzw. zu vervollkommnen.

Stadthalle Krone

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Gegenüber der Kinder- und Jugendbibliothek befindet sich, im Hinterhof des Best Western Plus Hotels am Wendischen Graben, die Stadthalle „Krone“. Die Geschichte der „Krone“ reicht weit in das 19. Jahrhundert zurück, als Bautzen sich zu einer belebten Garnisonstadt entwickelte. Zu dieser Zeit wurde das Hotel „Zur goldenen Krone“ an der oberen Steinstraße mit rückwärtigem Ballsaal erbaut. Schnell entwickelte sich der Saal zum beliebten Treffpunkt für kulturelle Veranstaltungen der sorbischen und deutschen Bevölkerung. Bereits im Oktober 1862 kam das erste sorbischsprachige Theaterstück dort zur Aufführung. Das Gebäude überstand die Weltkriege ohne größere Schäden. Nach 1945 wurde das Hotel mit Saalbetrieb unter dem Namen Hotel Stadt Bautzen als Volkseigener Einzelhandelsbetrieb HO fortgeführt. Bis in die 60-iger Jahre behielt der historische Krone-Saal seine ursprüngliche Form. Dieser musste dem am 12.06.1967 eröffneten großzügigen Nachfolgebau, im Baustil der architektonischen Moderne des sozialistischen Aufbaus, weichen. Nach der Wiedervereinigung wurde das Hotel Stadt Bautzen und der Festsaal im Jahr 1991 in private Hände gegeben. Das Hotel auf der Steinstraße musste geschlossen werden, der Saal jedoch wurde ab 1995, nach einem umfangreichen Innenausbau, wieder als Veranstaltungssaal bewirtschaftet. Unzählige Veranstaltungen von deutsch- und sorbischsprachigen Theateraufführungen, Konzerten, Tanzveranstaltungen bis hin zu Fernseh- und Rundfunkaufzeichnungen fanden im Saal statt. Das kulturelle Angebot war stets auch mit sorbischen Kulturevents verbunden. So konnte man z. B. die "Schadźowanka", das jährlich stattfindenden Treffen sorbischer Studenten, einer Tradition, die auf Initiative von Arnošt Muka und Jakub Bart-Ćišinski 1875 ins Leben gerufen wurde, erleben. Schauspielaufführungen des Deutsch-Sorbischen Volkstheaters und Vorstellungen sorbischer Oratorien mit Gesangsvereinen waren ebenfalls Bestandteil des Kulturprogramms, wie auch gesellige Veranstaltungen zur Vogelhochzeit, welche durch das Sorbische National-Ensemble organisiert wurden. Seit 2017 ist die Zukunft des kulturellen Zentrums, gegenüber der Altstadt Bautzens gelegen, ungewiss.

Taucherkirche mit Taucherfriedhof

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Die Taucherkirche ist eine der ältesten protestantischen Kirchen Sachsens und steht an der Löbauer Straße. Als im Jahre 1523 der von der Domkirche St. Petri südlich gelegene städtische Petrikirchhof (heute Fleischmarkt zwischen Dom und Rathaus) nicht mehr genug Platz für die Bedürfnisse der Stadt mit 6.000 Einwohnern bot, legte die Kirchgemeinde vor dem äußeren Reichen- oder Heugentor einen neuen Friedhof an und weihte diesen der Heiligen Dreifaltigkeit. Durch bischöfliche Verfügung (26. Juni) trug man noch im selben Jahr die Marienkapelle, welche sich im Taucherwald befand, ab und errichtete sie am neuen Friedhof. Dieser erhielt dann die Bezeichnung „Gottesacker zum Taucher“. Nachdem diese Kapelle 1550 durch einen heftigen Sturm einstürzte, wurde sie danach vollständig abgetragen. Im Jahr 1598 wurde unmittelbar neben dem 1587 gebauten Hospital „Zum armen Lazarus" (auch „Strehlenhaus" genannt) durch den Architekten Wenzel Röhrscheidt d. Jüngeren (gest. 1616) der Bau einer neuen Begräbniskirche realisiert. Obwohl die Kirche bei ihrer Weihe am 4. Januar 1599 die Bezeichnung „Zur Heiligen Dreifaltigkeit" erhielt, nannte sie die Stadtbevölkerung mit dem Beinamen „Zum Taucher". Durch Kriegseinwirkungen (1620) und Feuer zerstört, behob man die Schäden am Gotteshaus im Jahr 1627. Zwölf Jahre später (1639) bei der Belagerung der Stadt durch die Schweden trugen die Soldaten die Emporen und die Kanzel ab und verwendeten das Holz für ihre Wachtfeuer. Schrittweise wurde die Kirche wieder erneuert und bekam im Jahre 1662 ein Türmchen. Im 18. und 19. Jahrhundert erfolgten mehrere größere Umbauten. Die 1885 eröffnete Begräbnishalle auf dem Friedhof nahm der Taucherkirche die Funktion einer Begräbniskirche ab. Nach über 200-jährigem Bestehen erfolgte der Abriss des danebenstehenden Hospitals (1899). Im Zeitraum von 1917 bis 1926 hat man das Gotteshaus zum ersten Mal grundsaniert. Nach dem sich der Kirchenvorstand 1925 wieder zur Nutzung der Taucherkirche bekannte, nahm man auch den Einbau der Orgel vor. Im Zusammenhang mit dem Neubau des Wohngebietes Bautzen-Gesundbrunnen in den 1980er Jahren wurde die Kirche als Lapidarium genutzt. Die 1999 gegründete Stiftung Taucherkirche organisierte Spendenaktionen, Benefizkonzerte und Fördermittel für die ab 2000 durchgeführte komplette Sanierung. In der Taucherkirche finden Gottesdienste als auch Trauerfeiern statt. Darüber hinaus wird sie seit 1997 als Veranstaltungsraum für Konzerte genutzt. Die Konzertsaison beginnt im März/April und endet im November. Der turnusmäßige Veranstaltungstag ist in der Regel jeweils der 2. Sonntag im Monat. Der Besucher kann hier neben anderen Veranstaltungen auch Konzerte des Sorbischen National-Ensembles und sorbischer Gesangsvereine erleben. Im Laufe der Jahrhunderte wurde der Taucherfriedhof mehrmals erweitert und hat heute auf einer Fläche von ca. 7,9 ha Platz für ca. 5000 Gräber. Die barocke Grufthausstraße aus dem 18. Jahrhundert sowie zahlreiche Grabdenkmale (17.-19. Jh.) sind die Besonderheiten auf dem Friedhof, so auch die Franksche Gruft von 1745, die von F.G. Francke stammt, welche er sich und zum Gedenken an seine Frauen und ein Kind hat errichten lassen. Im Ostteil des Friedhofes sind die Opfer der Kämpfe um Bautzen von 1945 in schlichten Massengräbern beigesetzt. Auf dem Friedhof kann man auch einiger verdienstvoller sorbischer Persönlichkeiten gedenken und ihre letzte Ruhestätte besuchen, so u. a. Dr. Arnošt Muka, Detlef Kobjela und Dr. Jan Rawp.

Wendisches Viertel

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Die Bezeichnung Wendisches Viertel rund um die Wendische Straße weist auf den slawischen Ursprung der Stadt Bautzen hin. Die Wendische Straße führt vom Wendischen Turm zum Dom St. Petri. Das Straßenbild wird heute durch die restaurierten Barockbauten des 18. Jahrhunderts, wie es an den meisten Stellen der Bautzener Altstadt typisch ist, geprägt. Durch das stilistisch einheitliche Aussehen zählt Bautzen zu den schönsten barocken Städten Deutschlands. Geschichtlich nicht belegt, wurden die slawischen Siedler in der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts durch die deutsche Burgbesatzung allmählich aus der Wohnsiedlung vor der Burg verdrängt. Daher mussten sie sich einen anderen günstig gelegenen Wohnort suchen. Vorerst besiedelten sie die Wendische Straße zwischen der heutigen Schülerstraße und dem Gickelsberg. Durch den wachsenden Zustrom der deutschen Siedler kann man davon ausgehen, dass eine komplette slawische Siedlung, die sogar nach ihren Bewohnern benannt wurde, nicht nach dem 11. Jahrhundert entstehen konnte. Die Bezeichnung blieb über die Jahrhunderte hinweg erhalten, auch wenn im 16. Jahrhundert kaum noch Sorben in den prächtigen Bürgerhäusern ansässig waren. Die Stadt wurde von jeher in vier Verteidigungsbezirke geteilt dem Reichen-, Lauen-, Ortenburger- oder Irrenberger- und Wendischen Viertel. Im Jahre 1490/92 wurde der Wendische Turm zum Schutz des Wendischen Tores und des gleichnamigen Stadtviertels errichtet. Die durch einen Sturm zerstörte hölzerne, schieferbeschlagene Spitze wurde 1566 durch eine massive Bekrönung mit einer Plattform, die von einer Zinnbrüstung umgeben ist und in deren Mitte ein achteckiger Helm mit backsteinerner Pyramidenspitze steht, ersetzt. Der Wendische Turm wurde ab 1663 als Schuldgefängnis für die Stadt genutzt. Im Jahr 1834 wurde das Wendische Tor wegen der zu kleinen Toröffnungen und seiner engen inneren Räumlichkeiten abgerissen. Den geplanten Abriss des Turmes im Jahr 1841 verhinderte der Dresdener Architekt Gottfried Semper erfolgreich, indem er diesen beim Anbau der Kaserne 1842/44 in das Ensemble mit einbezog.

Wjelbik

Alternativer Text

Das sorbische Restaurant „Wjelbik“ empfängt seine Gäste in der Kornstraße 7. Die Kornstraße (ehem. Korngasse) erhielt ihren Namen 1737, als der Stadtrat am Eckhaus (Nr. 10) zur Hinteren Reichenstrasse (Hintere Reichengasse) das geeichte steinerne Viertel-Kornmaß aufstellen ließ. Das Eckgebäude Kornstraße / An den Fleischbänken wurde durch die Kriegseinwirkungen des Zweiten Weltkrieges fast völlig zerstört und war so als Ruine über drei Jahrzehnte lang ungenutzt. Aufgrund des fehlenden geeigneten Wohnraums für die Künstler des Sorbischen National-Ensembles (Staatliches Ensemble für sorbische Volkskultur) entschied sich die Leitung des Ensembles, unter dem Intendanten Handrij Cyž gemeinsam mit den Mitgliedern des Hauses die Ruine zum Wohnheim mit angeschlossener Klubgaststätte umzubauen. Neben den einheimischen Baubetrieben halfen bei dem Vorhaben auch die Angestellten des technischen Bereichs und der Verwaltung, sodass das Wohnheim bereits 1977 bezugsfertig war. Für die Ausgestaltung der 1978 eröffneten Klubgaststätte konnten die sorbischen Künstler Ursula und Steffen Lange gewonnen werden. Die Bezeichnung „Wjelbik“ stammt aus dem Sorbischen und hat die Bedeutung „kleines Gewölbe“ bzw. „Vorrats- und Speisekammer“. Ihren Namen erhielt die Klubgaststätte nicht zuletzt auch durch das über 600 Jahre alte Natursteingewölbe, welches im Zuge des Aufbaus des Gebäudes freigelegt und restauriert wurde. Die Klubgaststätte war nicht nur für Mitglieder des Ensembles zugänglich. Auch anderen Persönlichkeiten (z. B. Autoren/ Gastkünstlern) und den Beschäftigten der sorbischen Institutionen, die sich registrieren ließen, wurde der Zugang nicht verwehrt. So entwickelte sich der Klub zum Zentrum der Begegnungen von Künstlern verschiedener Genres, die im gemeinsamen Gedankenaustausch viele Ideen zu neuen Projekten und Vorhaben entwickelten. Nach 1990 ging das Gebäude in die Trägerschaft des Freistaates Sachsen über und verlor schrittweise seine einstige Bedeutung als Wohnheim. Durch einen Investor wurde das Gästeheim Ende der 1990-er Jahre zu einem Wohnhaus umgebaut. Die Klubgaststätte wurde privatisiert und wird seit 1991 als sorbischer Familienbetrieb durch die Familie Mahling geführt. Dieser genießt den Ruf als eines der schönsten und interessantesten Gasthäuser der Oberlausitz und zeigt erfolgreich unter dem verpflichtenden Namen „Wjelbik“ die sorbische Gastfreundschaft inmitten der Bautzener Altstadt. Bis heute kann man im „Wjelbik“ neben den kulinarischen sorbischen Köstlichkeiten zahlreiche Veranstaltungen sorbischer und deutscher Künstler genießen. Zugleich haben hier öffentliche Diskussionsforen ihren Platz gefunden. Auch durch die sorbischen Vereine, wie der "Maćica Serbska", werden die Räumlichkeiten der Traditionsgaststätte für öffentliche Veranstaltungen regelmäßig genutzt.

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